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,Die sittlichen Motive.
Drittes Capitel.
Die sittlichen Motive.
1. Die Hauptformen sittlicher Motive.
Vermöge der Natur des Willens sind es die Gefühlselementedes Bewusstseins, welchen bei der Causalität der Handlungen die ent-scheidende Bedeutung zukommt. Ein. Begehren oder Widerstrebenmuss stets den Willen begleiten; beide aber sind wieder'verknüpftmit Lust- oder Unlustgefühlen. Besondere Gefühlsmotive, dieanderen gegenübergestellt werden könnten, gibt es daher nicht: derMensch handelt nicht das eine Mal nach unmittelbarem Gefühl, einanderes Mal nach Reflexion, sondern immer nach Gefühlen. Diesekönnen aber entweder an einzelne Wahrnehmungen ge-bunden sein — hier reden wir dann gewöhnlich vorzugsweise vonGefühlsmotiven — oder sie können aus verstandesmässig verkettetenVorstellungen hervorgeben, die sich auf die näheren oder entfernterenempirischen Zwecke der Handlungen beziehen, oder sie könnenendlich aus der Vorstellung der letzten, in der unmittelbaren Erfah-rung immer nur in entfernten Annäherungen gegebenen idealenZwecke des sittlichen Strebens entspringen. Solche Vorstellungenidealer Zwecke bezeichnen wir als Ideen, das Vermögen des mensch-lichen Geistes durch sein alle empirischen Schranken überschreitendesStreben Ideen hervorzubringen als V e r n u n f t.
Danach unterscheiden wir Wahrnehmungsmotive, Ver-standesmotive und Vernunftmotive. Es braucht wobl kaumgesagt zu werden, dass der Gedanke an verschiedene Geistesvermögenbei diesen Namen ferne liegt. Nach der hier zu Grunde liegendenAnschauung entsteht die Vernunftidee in einer völlig analogen Weiseim Gebiet der Willensthätigkeit wie etwa innerhalb der äusserenNaturanschauung die Annahmen der Unendlichkeit des Raumes, derZeit und der Causalität, und diese könnten darum mit demselbenRechte als Vernunftideen bezeichnet werden. Sie sind uns ebenso-wenig wie die letzten Zwecke der Willensthätigkeit jemals in irgendeiner Erfahrung wirklich gegeben. Doch wie wir uns keine Grenzedes Raumes, keinen Stillstand der Zeit und keinen Anfang ursäch-licher Bedingungen denken können, so bleibt die Vollendung der