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Die neuere Kthik.
Drittes Capitel.
Die neuere Ethik.
1. Die Entwicklung - der empirischen Moralphilosophie.
a. Baco und Hobbes.
Die Vorbereitung zu jener Verweltlichung der Ethik, welchesich zunächst in der Aufsuchung der empirischen Bedingungen dessittlichen Lebens bethätigte, hatte sich schon theils in der Scholastiktheils in gewissen Richtungen des Protestantismus vollzogen. Dorthatte die Tliomistische Scheidung der natürlichen und der theolo-gischen Tugenden dem weltlichen Element einen leicht zu erwei-ternden Spielraum gelassen. In den Streitigkeiten der protestantischenSecten aber erneuerten sich die Kämpfe der ersten christlichen Jahr-hunderte über den Werth oder Unwerth menschlicher Willensthätig-keit *). Der auf Augustin zurückgehenden mystischen Erlösungs-theorie Luthers und Calvins gegenüber suchten die Arminianer undLatitudinarier ganz im Sinne der früheren Pelagianer der Freiheitdes Willens und dem eigenen sittlichen Verdienst des Menschen einenhöheren Werth beizumessen. Mit dieser freieren Auffassung verbandsich eine grössere Toleranz gegen Andersgläubige. Dem Religiösenwurde sein Werth gelassen, aber man begann es mehr als einenAbschluss und eine Ergänzung der natürlichen Sittlichkeit denn alseine unerlässliche Bedingung derselben zu betrachten, und darausentsprang von selbst die Auffassung, der Mensch könne, wenn ernur den sittlichen Geboten folge, in jeder Religion selig werden.Hiermit ist der Boden gegeben, auf dem sich die empirische Richtungder Moralphilosophie entwickelte, welche zunächst in England ihreStätte hat.
Einen bahnbrechenden Einfluss hat hier wie auf andern Ge-bieten die Baconische Philosophie ausgeübt. Wie Baco überallvorsichtig dem Conflict mit der Theologie aus dem Wege geht, indemer die Religion auf .das jenseitige Leben verweist und dagegen fürdie Philosophie das Diesseits in Anspruch nimmt, so scheidet erauch die Frage nach dem höchsten Gut als eine solche, die ganz
*) Vgl. Pünjer, Geschichte der christlichen Religionsphilosophie seit der
Reformation, I, S. 142—208.