Dritter Abschnitt.
Die Principien. der Sittlichkeit.
Erstes Capitel.
Der sittliche Wille.
1. Wille und Bewusstsein.
a. Dei' Thatbestand des Bewusstseins.
Dass unsere Auffassung der Aussenwelt von der Beschaffen-heit unserer Sinneswerkzeuge, von der Organisation unseres Nerven-systems und endlich von den Eigenschaften unseres Vorstellens undDenkens in der mannigfaltigsten Weise beeinflusst ist, hat uns einelange Reihe physiologischer Erfahrungen und logischer Erwägungenallmählich zum Bewusstsein gebracht. Dass aber die Wahrnehmungunserer Innenwelt unter dem entgegengesetzten Einflüsse leidet,dass wir fortan geneigt sind, die Bilder, die der Verlauf der äusserenNaturereignisse in uns wachruft, auf die sämmtlichen inneren Er-lebnisse zu übertragen, ist eine Thatsache, die wir noch immer zuübersehen geneigt sind. Und doch ist sie ganz dazu angethan, dierichtige Auffassung der inneren Erfahrung zu trüben, weil sie unsnicht bloss verführt unsere eigenen Begriffe mit ihren Gegenständenzu verwechseln, sondern weil diese Begriffe selbst schon mit fremd-artigen Bestandteilen vermengt werden.
Da die Bedingungen, unter denen die Erkenntniss der Aussen-
welt steht, dazu geführt haben, dass wir bei den äusseren ObjectenWundt, Ethik. 2. Aufl. 28