Die Vertiefung der sittlichen Anschauungen.
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keine andere Art der Ueberlieferung es mit ihnen aufnehmen kann.Wollen wir aber die Bedingungen dieser in der Sprache sich ver-rathenden Entwicklung ermitteln, so müssen wir nach andern Zeug-nissen uns umsehen, die, statt auf die äusseren Zeichen der sitt-lichen Vorstellungen, auf diese selbst sich beziehen. Für solcheZeugnisse bieten sich hauptsächlich zwei Quellen dar. Die einebesteht in den religiösen Anschauungen, die andere in dendurch Sitte und rechtliche Normen geregelten socialen Erschei-nungen. In den Religionsanschauungen verrathen sich vorzugs-weise die inneren Motive, in den socialen Erscheinungen die äusserenZwecke des sittlichen Strebens. Beide aber sind wieder beeinflusst•durch Naturumgebung und Culturbedingungen.
Zweites Capitel.
Die Religion und die Sittlichkeit.
1. Mythus und Religion.
a. Die Religion.
In der Frage nach dem Zusammenhang der religiösen und dersittlichen Anschauungen ist bekanntlich unsere Zeit noch immer nichtüber den Streit gewisser unversöhnlich scheinender Gegensätze hin-ausgekommen. Eine Untersuchung der 'thatsächliclien Beziehungen,die zwischen beiden Gebieten im Bewusstsein und Leben der Völkerbestehen, wird gut daran thun ihren Weg soviel als möglich abseitsvon jenem Streite zu nehmen. Handelt es sich doch bei ihm zu-meist nicht um eine objective Prüfung der Erscheinungen, sondernum einen Meinungsaustausch verschiedener philosophischer und theo-logischer Richtungen. Bei diesem werden aber die Thatsachen in•der Regel höchstens insoweit in Betracht gezogen, als man sie vondem jeweils eingenommenen Standpunkte aus zu beleuchten bemühtist, wo sie dann freilich manchmal kaum mehr als die nämlichenwiederzuerkennen sind.
Nur in einer Beziehung wird keine Untersuchung umhinkönnen, das Terrain, auf welchem jener Meinungsaustausch stattfindet,zu berühren: in der für die weitere Erörterung ganz unerlässlichen