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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Hauptformen sittlicher Motive.

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Die unmittelbare Wahrnehmung ist stets die nächste Iunseres Willens. An die Wahrnehmung knüpfen sich abei

Willenszwecke ein letztes, in der Erfahrung nie zu verwirk!

Postulat.

2 . Die Wahrnehmungsmotive.

durch Association Phantasievorstellungen, welche die in der An-schauung gegebenen. Erscheinungen mit den vorangegangenen undmit den voraussichtlich nachfolgenden Ereignissen verbinden. Allediese Vorstellungen zusammen wirken als Wahrnehmungsmotive.So erweckt der Anblick eines Menschen in Lebensgefahr in uns einzumeist blässeres Bild der die gefährliche Lage herbeiführenden, einlebendigeres der demnächst zu erwartenden Ereignisse; und dieseganze zu einer Totalwirkung vereinigte Folge von Vorstellungenregt Affecte an, die als starke Willensmotive unser Handeln be-stimmen können.

Die zwei Grundgefühle, welche sich in dieser Weise fortwährendals sittliche Motive in uns bethätigen, sind das Selbstgefühl unddas Mitgefühl. Unter ihnen ist das erstere unmittelbar an dasSelbstbewusstsein und an die mit demselben verwachsene Vorstellungder eigenen Persönlichkeit gebunden. In der Vorstellung des Ichhaben sich aber im Gefolge der sittlichen Entwicklung allmäh-lich zahlreiche Vorstellungsreihen verdichtet, die sogar verwickeltenEindrücken gegenüber Wahrnehmungsmotive entstehen lassen, diedem Willen eine der augenblicklichen Lage angemessene Richtunggeben. So können Handlungen als einfache Reactionen des Selbst-bewusstseins auftreten, die doch den Charakter ethischer Zweck-mässigkeit in so hohem Masse an sich tragen, dass die Reflexionan ihnen nichts zu verbessern vermöchte. Ja oft genug kann esgeschehen, dass eine nachträgliche Erwägung den sicheren Takt desursprünglichen Willensimpulses verfälscht; denn die Reflexion ver-fügt zumeist nur über Momente, die der nächstliegenden individuellenLebenserfahrung angehören, während der Instinct eine unübersehbareReihe einst wirksam gewesener Einzelimpulse zu einer einheitlichenWirkung zusammenfasst. Die Uebung und die Festigung des Charaktersverleihen dann dieser unmittelbaren Wirksamkeit des Selbstgefühlseine immer grösser werdende Sicherheit. Ohne Ueberlegung richtigzu handeln, ist daher das hauptsächlichste Merkmal der sittlichenReife, wenigstens in allen den Fällen, in denen nicht gerade ein