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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die einzelne Persönlichkeit.

Wenn gewisse Pläne einer socialen Reform die gesellschaft-liche Gleichheit der Einzelnen dadurch herbeifuhren möchten, dass siedie zum Leben nothwendige Arbeit auf die Stufe einer von Allen zufordernden Fabrikarbeit herabdrücken, so sind daher solche Reform-pläne selbst noch in jener Schätzung der Persönlichkeit nach Besitzund Beruf befangen, auf deren Ueberwindung die Entwicklung dersocialen Cultur ausgeht. Besser als in diesen utopistischen Träumenspiegelt sich das wahre Ziel der sittlichen Cultur in dem Verlangenaller einsichtigeren und strebsameren Arbeiter nach Erhöhungihrer Bildungsstufe. In der Tliat, nicht die völlige Gleichheitder geistigen Bildung, die weder möglich ist noch wünschenswerthoder beglückend wäre, wohl aber die Gleichheit der vornehmstengeistigen Lebensinteressen ist die einzige Art menschlicherGleichheit, deren Erreichung denkbar, und sie ist zugleich diejenige,welcher Sitte und Cultur trotz hemmender Kräfte entgegenstreben.

In unserer heutigen sittlichen Cultur hat die Familie nur nochin jener engeren Bedeutung der Einzelfamilie einen ethischenWerth, in welcher sie ein Elternpaar und seine Kinder umfasst.Auf die sittliche Vertiefung, Avelche hierdurch das Familienverhältnissgewonnen, wurde früher schon hingewiesen*). In Folge der engerenVerbindung, die zwischen den Gliedern der Familie ein trat, ist zu-gleich eine Einheit der Willensrichtungen entstanden, wie sie ausser-halb des Verbandes der Familie in keiner andern Lebensgemeinschaftmehr möglich ist. Dies prägt sich deutlich in allen den Beziehungenaus, in denen sich das persönliche Leben nach aussen betliätigt.

Zunächst ist die Familie Besitz- und Erwerbsgemeinschaft.Den ererbten oder selbständig erworbenen Besitz bringen die Gattenzusammen, um ihn zu gemeinsamen Zwecken zu verwerthen unddann entweder noch während des Lebens oder wenn sie selbst aus

Die Gesellschaft.

1. Die Familie.

Zweites Capitel.

') Vgl. Abschn. I, Cap. III, S. 193 ff.