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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
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Vorwort.

Das folgende Werk unternimmt es, die Probleme der Ethik inunmittelbarer Anlehnung an die Betrachtung der Thatsaclien dessittlichen Lebens zu untersuchen. Der Verfasser hat dabei zunächstdie Absicht verfolgt, den Weg auf dem er selbst zu den ethischenFragen gekommen auch der Leser zu führen; er ist aber ausserdemder Meinung, dass dieser Weg derjenige sei, auf welchem überhaupteine empirische Begründung der Ethik gesucht werden müsse. Anspeculativen wie an psychologischen Bemühungen hat es ja aufdiesem Gebiete nicht gemangelt, und ich bin gern bereit beidenihre Berechtigung einzuräumen. Aber was die Metaphysik betrifft,so meine ich, es sei die Ethik, die zu den Fundamenten einer all-gemeinen Weltanschauung die wichtigsten Grundsteine beizutragenhabe, und eben deshalb sei es nicht erspriesslich, dies Verhältnissumzukehren und die Moralphilosophie ihrerseits auf Metaphysik zugründen. Die Psychologie ist mir selbst eine so wichtige Vorschuleund ein so unentbehrliches Hülfsmittel ethischer Untersuchungengewesen, dass ich nicht begreife, wie man auf dasselbe verzichtenmag. Doch die Bestrebungen dieser Richtung, die zumeist der Ent-wicklung des älteren Empirismus angehören, sind allzu sehr, wieich glaube, in dem Gesichtskreis der Individualpsychologie befangenund in dieser wieder auf jener Reflexionsstufe des gemeinen Be-wusstseins stehen geblieben, welche unbedenklich eigene Ueber-legungen in die Thatsachen hinüberträgt. Als die eigentliche Vor-halle zur Ethik betrachte ich die Völkerpsychologie, der nebenanderen Aufgaben insbesondere auch die zukommt, die Geschichteder Sitte und der sittlichen Vorstellungen unter psychologischen Ge-sichtspunkten zu behandeln.