Erster Abschnitt.
Die Thatsachen des sittlichen Lebens.
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Erstes Capitel.
Die Sprache und die sittlichen Vorstellungen.
1. Der Allgemeinbegriff des Sittlichen.
a. Geschichte der Wörter: ethisch, moralisch, sittlich.
Die frühesten Zeugnisse für die Ausbildung menschlicher Vor-stellungen bietet uns überall die Sprache dar. Ehe irgend eineandere Form der Ueberlieferung beginnt, hat sie bereits bestimmteBezeichnungen für die das Völkerbewusstsein beherrschenden An-schauungen hervorgebracht; und das Wort ist es zugleich, das indem Wechsel und in der Trennung einst zusammenfliessender Be-deutungen ein Spiegelbild liefert für die allmähliche Entwicklungund den Wandel der Vorstellungen. Auch die Untersuchung desUrsprungs der sittlichen Vorstellungen wird daher zunächst an dieSprache ihre Fragen zu richten haben.
Aber freilich, jene Entwicklungsfähigkeit der Sprache, die vorallem in Bezug auf die Wortbedeutungen eine nie rastende ist,bringt es zugleich mit sich, dass ihre Zeugnisse nur mit Vorsichtbenützt werden dürfen, wenn aus ihnen Rückschlüsse auf die ur-sprünglich in ihr ausgeprägten Anschauungen gemacht werden sollen.Nicht nur hegt die Gefahr nahe, dass man später entstandene Wort-bedeutungen auf die frühesten Stufen der Sprache zurückverlegt, unddass man Begriffe, die einen individuellen oder in specifisch wissen-