Druckschrift 
Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
Seite
270
Einzelbild herunterladen
 

Zweiter Abschnitt.

Die Entwicklung der sittlichen Weltanschauungen.

Erstes Capitel.

Die antike Ethik.

1. Die Anfänge der antiken Ethik.

a. Die vorsokratische Ethik.

Die älteste Speculation der Griechen war eine vorwiegendkosmologische. Sie hat daher den ethischen Fragen ein geringesInteresse zugewandt. Die Aussprüche die den mythischen oderhalb mythischen sieben Weisen in den Mund gelegt werden, sindNiederschläge der Volksmoral, die als Anfänge einer Wissenschaftnicht betrachtet werden können. Die ältesten philosophischen Schulenaber verbinden mit den philosophischen vor allem reformatorischeBestrebungen gegenüber der Volksreligion. Insbesondere die Eleatenhaben so durch den Kampf gegen den Polytheismus und die Ver-menschlichung der Naturgötter, den ihr Stifter Xenophanes eröffnet,der kommenden ethischen Speculation mindestens die Wege ge-ebnet. Das ähnliche gilt wohl von der religiös-philosophischen Secteder Pythagoreer, die trotz des grossen Gewichtes, das sie auf ge-wisse äussere Lebensnormen legen, zu einer Reflexion über das Sitt-liche kaum gelangt sind*). Nicht minder finden sich bei Heraklit

*) Ziegler, Die Ethik der Griechen und Römer, I, S. 27 ff., ist aller-dings hierüber anderer Meinung. Aber die von ihm beigebrachten Argumentescheinen mir doch nicht mehr zu beweisen, als dass auf die kosmologischeSpeculation der Pythagoreer ethische Motive mit eingewirkt haben.

[Jf'. * >