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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Ahnencultus.

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auch bei manchen dieser Gestaltungen die ursprüngliche Bedeutunghinter der secundären des Schutzgeistes zurückgetreten sein*). Deraltrömische Geschlechterstolz mit seinen Licht- und Schattenseiten,das Festhalten an ererbter Sitte, die erst unter griechischem Ein-flüsse allmählich weichende Heilighaltung der Familienbande, dieWürde der Frau, die das wünschenswerthe Mass oft überschreitendeAchtung der väterlichen Gewalt, endlich der Einfluss der Familien-verbände auf Staat und Gesellschaft sind die äusseren Wirkungen,in denen sich jene religiöse Grundlage der römischen Gesittung ver-räth. Das Gedächtniss der Ahnen blieb bei dem Börner um somehr als ein ethisches Motiv fortwährend wirksam, da ihm eineigentlicher Heroencultus ursprünglich fehlte, ein Mangel, der auchin späterer Zeit durch das Kunstepos und durch die Entlehnungenaus der griechischen Heroensage niemals in einer das nationaleBewusstsein tiefer durchdringenden Weise ersetzt werden konnte.Bei keinem Volke hat daher wohl die Erinnerung an die Grösseder Vorfahren eine so gewaltige Bolle gespielt wie bei den Bömern.Dieser Cultus historischer Vorbilder, welche im Gedächtniss derNachgeborenen in idealisirter Gestalt Wiederaufleben, erscheintso als der natürliche Erbe des aus vorgeschichtlicher Zeitüberkommenen Ahnencultus, welcher letztere lange noch danebenin seiner ursprünglichen Form fortdauert. So sind das historischeund das mythische Heroenthum nicht nur verschiedenen Quellen ent-sprungen, sondern auch die religiösen Anlehnungen sind für beideverschieden. Das historische Heroenthum schöpft aus der mythischausgeschmückten wirklichen Geschichte, und es bleibt verknüpft mitder Ahnenverehrung, deren Grundmotive, nur durch Cultur undGeschichte verändert, in ihm fortwirken. Das mythische Heroen-thum .dagegen entspringt aus dem Naturmythus, und wenn es sichauch späterhin mit der Sagengeschichte verbinden kann, so bleibenin ihm die vorherrschenden Züge des Naturmythus doch auch insofernerhalten, als der idealisirende ethische Trieb in der nämlichenBichtung fortwirkt, in welcher er in den anthropomorphischenGestaltungen des Naturmythus bereits begonnen hat sich zu äussern.

b. Der a n thr op om o rp bis eh e Naturmythus.

Nicht alle Gestaltungen des mythologischen Denkens, bei denenGegenstände der Natur als die Träger mythischer Ideen auftreten,

*) Preller, Römische Mythologie, 3. Aufl. I, S. 75 if.