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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Ahnencultus.

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die ethische Macht der Gefühle, die den Menschen an sein Geschlechtbinden. Auch darf man wohl bezweifeln, ob diese Gefühle ohnedie religiöse Beimengung, die sie aus dem Ahnencultus empfangen,jene Macht behauptet hätten. Mögen immerhin die religiösen Be-weggründe selbst von egoistischen Bestandteilen nicht frei sein, soliegt hierin doch nur eines der zahlreichen Zeugnisse dafür, dassursprünglich selbstsüchtige Motive verschiedener Richtung sich be-kämpfen müssen, um ein äusserlich selbstloses Handeln so langemöglich zu machen, bis dieses sich durch die Kraft der ihm eigenenWerthgefühle zu behaupten vermag.

Dass der Ahnencultus vorzugsweise den Seelen der im Lebendurch Tugenden oder durch Bang hervorragenden Verstorbenen seineVerehrung widmet, ist psychologisch begreiflich und zugleich fürdie ideale Bedeutung dieser Cultusform wesentlich. Tugend undBang pflegen sich aber, wenn die Erfahrung keinen allzu drin-genden Widerspruch erhebt, in der Vorstellung der Mitlebenden undum so mehr der Nachlebenden innig zu verbinden. Wie auf dasGreisenalter. so geht daher bei allen Naturvölkern auf die Häupt-linge und Fürsten schon während des Lebens etwas von jener reli-giösen Verehrung über, die ihnen nach dem Tode gezollt wird, undverbindet sich mit der natürlichen Furcht vor der Macht der Ge-bietenden. Entzieht doch auch die Sitte nicht selten den lebendenHäuptling wenigstens für das Alltagsleben fast ebenso den Blickenseiner Unterthanen. wie der Todte ihnen für immer entzogen ist.Sie rechnet dabei, sei es mit Absicht sei es aus Instinct, auf dienämliche Neigung das Unbekannte zu idealisiren, dem der Ahnen-cultus einen Theil seiner Macht über die Gemüther der Menschenverdankt. Die Scheu vor dem Herrscher verräth sich aber nichtbloss in Bezeigungen der Unterwürfigkeit, die in ihrer Form un-mittelbar ihren religiösen Ursprung aus dem Gebet und aus derErniedrigung vor der Gottheit verrathen, sondern zuweilen geht sie inbewusste religiöse Anbetung über. Dass sich das Verhältnis« des Men-schen zum Menschen durch den Affect, der solche Zeugnisse äussersterUnterwürfigkeit begleitet, im Grunde von selbst in das des Menschenzum Gotte umwandelt, das beweisen übrigens noch auf einer weitfortgeschrittenen (Kulturstufe die Beispiele der Imperatorenvergöt-terung. Von derartigen Verirrungen abgesehen wird man nichtleugnen können, dass die religiöse Färbung, welche auf dem hierangedeuteten Wege in den Anfängen der Entwicklung über dasVerhältniss zwischen Oberhaupt und Unterthanen sich verbreitete.