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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

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die beweisen, dass diese Wirkung namentlich in ztvei Rich-tungen sich bethätigt.

Zunächst ist es das persönliche Beispiel, das zur Nach-eiferung anregt. Liegt in der Neigung die Eigenschaften des Ahnenin der Erinnerung zu idealisiren an und für sich schon ein ethischesMoment, so wirkt nun die Vorstellung, die dieser Trieb erschafft,ähnlich der lebendigen Wirklichkeit, für die sie gehalten wird. DerTodte ist ein besseres sittliches Vorbild, als es der Lebende seinkönnte, weil der Phantasie in den Vorzügen, mit denen sie seinBild ausstattet, keine oder doch nur diejenigen Schranken gesetztsind, welche die Bedingungen des wirklichen Lebens mit sichbringen. Denn naturgemäss gibt es für den Menschen niemals einabsolut Vollkommenes, sondern in dem Ideal, das er sich vorstellt,kann er immer nur solche Eigenschaften in gesteigertem Massevereinigen, die er jeweils für vortrefflich hält, und diejenigen be-seitigen, die ihm hassenswerth dünken. Doch so mangelhaft diesesIdeal sein mag. in der Wirkung, die es ausübt. liegt zugleich dieAnlage zu seiner eigenen Vervollkommnung und so die Möglichkeiteiner unbegrenzten Entwicklung.

Aber noch in einer zweiten Beziehung wirkt das idealisirendeLicht, welches ein ehrendes Gedächtniss über vergangene Geschlechterverbreitet, zurück auf die Gegenwart. Auf den Greis, der am Abendseines Lebens steht, fällt schon ein Schimmer der Verehrung, dieihm nach seinem Hinscheiden gezollt wird. Der Cultus der Todten,ursprünglich aus dem natürlichen Gefühl der Pietät hervorgegangen,wirkt durch die religiöse Färbung, die er diesem Gefühl verleiht, aufdie Intensität desselben verstärkend zurück und erweckt so auch beider Verehrung der lebenden Eltern, des Alters und der durch rühm-liche Eigenschaften oder durch ihren Rang hervorragenden Stammes-genossen Affecte, die denen der religiösen Verpflichtung verwandtsind. Der Egoismus, der den Nebenmenschen allein nach dem ge-leisteten Nutzen schätzt, vermag in dem hülflosen Alter nur eineLast zu erblicken, deren man sich zu entledigen sucht, sobald dieharte Noth des Daseins dazu zwingt. Wo dieser Egoismus mitjenem Pietätsgefühl in Streit geräth, da liegen darum in dem Lebendes Naturmenschen nicht selten die stärksten Gegensätze, rücksichts-lose Rohheit und rührende Aufopferung, dicht bei einander. Aberdass in diesem harten Kampf die Pietät den Sieg davon tragenkann, und dass sie, wo die tiefste Stufe der Rohheit überwundenist. überall ihn errungen hat, ist eines der stärksten Zeugnisse für