Das Verhältniss des Religiösen zum Sittlichen im Mythus.
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Menschen je nach seinen Handlungen entweder schon in diesem oderaber in einem andern, von der Phantasie bald mit allem Zauber desSchönen, bald mit allen Schrecken des Entsetzenerregenden aus-gemalten Leben treffen. In doppelter Beziehung sind also in denGöttervorstellungen religiöse Elemente anzuerkennen: einerseits so-fern die Götter selbst ideale Vorbilder sind, anderseitssofern sie als die Träger einer idealen, über der sin n-lichen erhabenen Weltordnung gedacht werden. Alle andernBestandtheile des Mythus sind nicht unmittelbar religiöser Art.sondern sie bilden theils Elemente einer primitiven Naturerklärung,theils sind sie von Gefühlen und Wünschen getragen, die der sinn-lichen Wirklichkeit, nicht einem bloss vorgestellten idealen Daseinzugewandt sind. Die Schöpfungsmythen, die mythologischen Ver-körperungen der Gestirne, der Wolken, des Gewitters und sonstigerNaturerscheinungen sind also an sich nicht religiös, wenn sie auchin der Regel mit religiösen Elementen vermengt werden. Der Aus-druck „Naturreligionen“ hat daher nur insofern eine Berechtigung,als man in ihm lediglich einen Hinweis auf diese Verbindung desReligiösen mit naturerklärenden Mythenbildungen erblicken will.Nicht minder ist aber alles das ausserhalb des Begriffs der Religionzu stellen, was man gewöhnlich unter den Bezeichnungen desFetischismus und des Geisterglaubens zusammenfasst. Das psycho-logische Centrum dieser Formen bildet der Zauberglaube, der seiner-seits wieder in dem Wunsch, irgend welche Güter, Gesundheit.Glück, Reichthum, für sich zu erlangen, und irgend welche Uebel.Krankheit, Schmerz, Gefahr, zu vermeiden, oder auch solche HebelAndern zuzufügen, seine Quellen hat, womit sich dann noch, nament-lich bei dem Geisterglauben, ebenfalls Bruchstücke einer primitivenNaturerklärung verbinden. So nahe auch jene Wünsche, die demZauberglauben seine starken und oft furchtbaren Impulse geben, mitden religiösen Wünschen sich berühren, ja manchmal mit ihnen ver-binden können, so haben sie doch selbst ebenso wenig etwas mitder Religion zu thun, wie die sinnlichen Lust- und Unlustgefühleund die von ihnen bestimmten Triebe als religiöse Gefühle und Triebeanzusehen sind.
Aus der Abgrenzung jener Elemente des Mythus, welche vonden übrigen Bestandtheilen desselben als die religiösen auszuscheidensind, ergibt sich nun zugleich schon ein allgemeiner Fingerzeig inBezug auf den Zusammenhang des Sittlichen mit demReligiösen. Die ideale Welt, die sich die religiöse Phantasie ge-