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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die religiösen Bestandteile des Mythus.

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liehen Lebens, dessen Schwächen niemals ganz in ihm fehlen werden.Dass der Mensch je ohne ein solches Bild eines vollkommenerenDaseins existirt habe, oder dass er dereinst auf einer fort-geschritteneren Culturstufe desselben entbehren werde, ist eine An-nahme, deren Wahrscheinlichkeit mit derjenigen einer fundamentalenAenderung der menschlichen Natur steht und fällt. So lange einesolche nicht nachgewiesen ist, bleibt die Behauptung der Existenzreligionsloser Völker ungefähr gleichbedeutend mit der in derälteren Ethnologie zuweilen umgegangenen Sage von dem Vorkommensprachloser Stämme. Wenn man nicht irgend einen dogmatischenLehrbegriff der Religion unterschiebt, sondern auf jene ursprüng-liche Quelle des religiösen Gefühls zurückgeht, welche aus demStreben nach einem die Wünsche und Bedürfnisse des menschlichenGemüths befriedigenden Dasein entspringt, so mag man zwar an-erkennen, dass das Religiöse in unendlich vielgestaltigen und zumTheil in sehr unvollkommenen Formen Vorkommen kann; dass esaber überhaupt fehle, ist so wenig begreiflich, als es die Annahmewäre, dass es Menschen ohne Phantasie und Gefühl gebe. Die zahl-reichen Zeugnisse über das Vorkommen religionsloser Völker, welchenamentlich Sir John Lubbock gesammelt hat, beweisen darumnur, dass die Beobachter, deren Angaben er zusammenstellt, theilssich sehr verschiedene Dinge unter dem WortReligion dachten,theils aber auch wohl kaum mit besonderem Glück es versucht habensich in die ihnen fremdartige Vorstellungswelt wilder Völker hinein-zuversetzen*).

Die für die psychologische Auffassung unabweisbare That-sache endlich, dass die Vorstellung einer idealen Welt nicht einGegenstand der Erfahrung, sondern ein Erzeugniss der Phantasieund des Willens ist, lässt die Frage, ob und inwieweit dieser Weltder Wünsche und Forderungen neben der ungeheuren subjectivenWirksamkeit, die sie im menschlichen Bewusstsein ausübt, noch eineobjective Wirklichkeit zukommt, an und für sich völlig dahin-gestellt. Wenn Ludwig Feuerbach seine Ansicht von der Reli-gion in die kurze Formel fasst:die Götter sind die verwirklicht

*) John Lubbock, Die vorgeschichtliche Zeit. Deutsche Ausg. II,S. 273 u. a. a. 0. Die Entstehung der Civilisation. Deutsche Ausg. S. 173 ff.Eine grosse Reihe den Behauptungen Lubbocks widersprechender Zeugnisseist gesammelt worden von Gustav Roskoff, Das Religionswesen der rohestenNaturvölker, S. 36 ff.

Wnnat, Ethik. 2. Aufl.

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