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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

Gerade deshalb, weil der Mythus noch ungeschieden enthältwas sich später nach verschiedenen Richtungen trennt, können nununmöglich, wie es häufig geschieht, Mythologie und Religion ein-fach einander gleichgesetzt werden, sondern nur diejenigen Bestand-theile des Mythus sind als religiöse anzuerkennen, die auch inder späteren Entwicklung, nachdem die Trennung in die verschie-denen Lebensgebiete eingetreten ist, eine bleibende religiöse Bedeu-tung bewahren. Welches sind nun diese Bestandtheile? Es ist be-greiflich, dass es leichter ist, anzugeben, welche Elemente des Mythusnicht zu ihnen gehören, als an welchen Merkmalen sie selber zuerkennen sind. So wird insbesondere alles was lediglich den Wertheiner primitiven Erklärung der sichtbaren Naturerscheinungen be-sitzt von vornherein auszuscheiden sein. Es ist im Grunde ebensowenig religiöser Art, wie das Ptolemäische und das CopernikanischeSystem Religionsanschauungen sind. Aber freilich ist diese Trennungkaum jemals so durchzuführen, dass gewisse Mythen vollständig demeinen, andere dem andern Gebiet zugetheilt werden könnten. Viel-mehr bringt es die Einheit der mythologischen Anschauungen mitsich, dass nicht nur eine und dieselbe Göttergestalt verschiedeneFunctionen in sich vereinigt, sondern dass auch ein und derselbeMythus gleichzeitig verschiedene Seiten darbieten kann, etwa einereligiöse und eine solche, die sich auf die Erklärung einer Natur-erscheinung bezieht; und dabei sind diese verschiedenen Seitenmeistens nicht einmal von einander getrennte Bestandtheile einesund desselben Vorgangs, sondern es ist die nämliche Reihe vonVorstellungen, welche gleichzeitig das Erklärungsbedürfniss desDenkens befriedigt und die religiöse Erhebung des Gemüths herbei-führt. Mag aber dieser Umstand die Aufgabe einer genauen Be-grenzung des Religiösen im Mythus erschweren, so kann er siedoch nicht hindern. Denn auch wo der nämliche mythische Vor-gang verschiedene Bedeutungen in sich vereinigt, da muss immerhinfestzustellen sein, weiche dieser Bedeutungen oder welche der Wir-kungen auf das mythenbildende Bewusstsein die religiöse sei. Aberallerdings wird dabei nicht, wie es von Seiten der Anthropologen undMythologen zu geschehen pflegt, aus dem Mythischen der Begriff desReligiösen entwickelt werden können, sondern es wird nothwendigsein ihn da aufzusuchen, wo er sich bereits aus seinen mythischenVerbindungen gelöst hat, und dann erst den Mythus selbst in Bezugauf seinen religiösen Inhalt zu prüfen. Zugleich ist bei diesemVerfahren der Umstand nicht ausser Acht zu lassen, dass der so