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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

Wenn man der Metaphysik die letzte und umfassendste, auf Grundder sämmtlichen wissenschaftlichen Einzelerkenntnisse vorzunehmendeErklärung der Thatsachen zuweist, so wird sie demnach auch diereligiösen Thatsachen nicht aus ihrem Bereiche ausschliessen können.Freilich aber dürfen wir dabei nicht, wie es so mannigfach ge-schehen ist und noch geschieht, unter religiösen Thatsachen denInhalt irgend einer Tradition oder gar irgend eines dogmatischenLehrgebäudes verstehen wollen, sondern wir haben diesen Begrifflediglich auf jene allgemeinen psychologischen Erfahrungen zu be-schränken, denen der Charakter religiöser Bewusstseinselemente zu-zuerkennen ist.

Welches sind nun diese Elemente, und worin bestehen dieKriterien, mittelst deren wir sie von dem sonstigen Inhalt des Be-wusstseins unterscheiden? Mit dieser Frage kommen wir an einenPunkt, bei welchem die metaphysische Theorie ihrerseits das guteRecht, das ihr den entgegengesetzten Standpunkten gegenüber zu-kommt, meistens missbraucht hat, indem sie die erwähnte Fragenicht, wie es zunächst geschehen müsste, auf Grund einer psycho-logischen Analyse, sondern von einer den Thatsachen bereits fertigentgegengebrachten metaphysischen und religiösen Weltanschauungaus zu beantworten suchte. Dass nur auf diese Weise specifischkirchliche Dogmen gelegentlich die Rolle metaphysischer Lehrsätzeübernehmen konnten, ist für jeden Unbefangenen an und für sichklar. Ueberdies wurde aber dadurch die ganze Stellung der Religionnicht selten von vornherein so bestimmt, dass sie mit allen anderenGebieten metaphysischer Welterkenntniss unterschiedslos zusammen-floss. SpinozasDeus sive natura ist für diese Vermengung desReligiösen mit dem Metaphysischen kennzeichnend. Die Vermengungselbst ist aber keineswegs bloss innerhalb des pantheistischen Ge-dankenkreises, den jenes Wort andeutet, zu finden, sondern sie istein gemeinsames Erbübel jeder irgendwie von theologischen Inter-essen inspirirten Philosophie.

Wer überhaupt an der alten Machtvollkommenheit der Meta-physik festhalten will, dem wird freilich auch hier nicht zu helfensein. Wer ihr dagegen nur insoweit ein Recht zugesteht, als siedie von der empirischen Forschung festgestellten Thatsachen zuihrer Grundlage nimmt, der wird damit einverstanden sein, dass dieFrage nach den Merkmalen der r e 1 i g i ö s e n Vorstellungen und Ge-fühle und ihren Unterschieden von anderen inneren Erfahrungenzuvörderst vor das Forum der Psychologie, und dann erst, nachdem