Die Religion.
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wie die ethische Theorie weist der Metaphysik eine beschränktereAufgabe zu: sie hat im allgemeinen nach ihnen einen a priori gül-tigen Inhalt, aber einen empirischen Zweck, indem sie über die füralle Erfahrung gültigen allgemeinen Vernunftprincipien Rechenschaftgeben soll. Der metaphysischen Theorie dagegen ist die MetaphysikWeltanschauung überhaupt: sie umfasst nicht nur die Sinnenweltsondern auch die Ideen, die sich auf eine übersinnliche Welt be-ziehen, und man ist entweder nach Platonischem Vorbild geneigtdiesem transcendenten Bestandtheil um der Erhabenheit seinerObjecte willen den unbedingten Vorzug einzuräumen, oder man ver-weist ihn, indem man den Werth der Metaphysik überhaupt be-streitet, mit Auguste Comte in das Gebiet der Einbildungen und desAberglaubens.
Abgesehen von dieser Frage der Werthschätzung, die bei einerallgemeinen Feststellung der metaphysischen Aufgaben zunächst fern-zuhalten ist, und abgesehen zugleich von den oft sehr fragwürdigenWegen, auf denen die metaphysische Theorie ihr Ziel zu erreichensucht, wird man nun nicht umhin können, dieses Ziel selbst alsdasjenige zu bezeichnen, welches allein dem Einheitsbedürfniss dermenschlichen Vernunft zu genügen vermag. Unser Denken mussschliesslich den gesummten Bewusstseinsinhalt in einen begrifflichenZusammenhang bringen, und zu diesem Inhalt gehören denn dochdie religiösen Anschauungen ebenso gut wie die sinnliche Erfahrung.Eine Untersuchung jener Anschauungen, mag sie nun zu einempositiven oder negativen Ergebnisse führen, muss aber vor allemderjenigen philosophischen Disciplin aufgebürdet werden, der über-haupt die Erörterung der principiellen Fragen zufällt, und die aufGrund derselben eine widerspruchslose Weltanschauung aufzurichtenbemüht ist. In der That vermag der entgegengesetzte Standpunktdie Trennung selbst nicht aufrecht zu erhalten, es sei denn dass ermit Herbart sich entschliesst die Religion überhaupt aus der Philo-sophie zu verweisen, auf welchem Wege dann nothgedrungen auchdie Ethik und vor allem die Aesthetik mit dem besten Theil ihresInhalts ihr folgen müssen. Wer dagegen, wie die autonomeund die ethische Theorie in ihren hervorragendsten Vertretern estliun, die religiösen Elemente entweder als ursprüngliche oder dochals solche betrachtet, die aus ursprünglichen sittlichen Motiven aufnothwendigem Wege entstanden sind, der kann nicht umhin sie ingewissem Sinne ebenso als ein thatsächlich gegebenes anzuerkennenwie die Vorstellungen von der Aussenwelt, die wir in uns tragen.