Die Vertiefung der sittlichen Anschauungen.
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Sinn von Wörtern wie beachten, achtgeben u. dergl. Mit der Be-schränkung auf die moralischen Eigenschaften hat sich zugleich dieIntensität der Bedeutung verstärkt. Die Würde hängt zusammenmit dem Werth. Würdig ist, was Werth besitzt. Der Werth gehtaber, ähnlich dem gleichbedeutenden griechischen Wort Ttp.rj, zunächstauf den Kaufpreis oder auf andere äussere Leistungen, um die einschätzbarer Gegenstand erworben werden kann. Hier hat also zu-gleich wieder ein Uebergang von der äusseren Schätzung in dieCharaktereigenschaft stattgefunden. Am deutlichsten ist die materielleBasis dieser Vorstellungen in dem lateinischen Wort aestimare er-halten geblieben, wo das aes (Erz, Geld) unmittelbar die Schätzungum Geldwerth andeutet. Aehnlich verhält es sich wahrscheinlichmit dem deutschen Ehre, wo der charakteristische Bedeutungs-wandel mehrere Stufen zu umfassen scheint. Ursprünglich die Gabebezeichnend, die nach dem Werth dessen sich richtet, was durch sieerreicht oder erkauft werden soll, hat sich die Bedeutung zunächsttheilweise auf diesen Werth selbst zurückgezogen, also den Wandelaus dem Objectiven ins Subjective erfahren, wobei aber doch dieobjective Bedeutung miterhalten blieb. Wir reden noch heute voneinem Mann von Ehre, ebenso wie von einem Mann, dem Ehrewiderfährt. In diesen beiden neben einander beharrenden Bedeu-tungen hat sich dann aber der moralische Sinn des Wortes zu-sehends vertieft. Ursprünglich auf den äusseren Glanz gehend, denJemand um sich verbreitet, oder durch den er von Andern aus-gezeichnet wird, ist es allmählich vorwiegend zur Charaktereigen-schaft und ihrer Schätzung geworden, wenn auch in mannigfachenFormen des Gebrauchs, wie in dem Ehrengeschenk, dem Ehrentag,den Ehrenzeichen u. s. w., Merkmale jenes äusseren Glanzes, dendas Wort einst verbreitete, noch sich erhalten haben.
Zugleich zeigt aber dieses Wort noch eine Beziehung, die auchsonst in dem ethischen Wortschatz tiefe Spuren zurückgelassen hat.Eine der hervorragendsten Bedeutungen der Ehre aus der Zeit dervorwiegend objectiven Verwendung des Begriffs ist die der Gottes-ehre, des Cultus*), ähnlich wie auch in dem lateinischen honosund dem griechischen besonders in älterer Zeit der Sinn derEhrenbezeigung gegenüber den Göttern im Vordergrund steht. Soist überhaupt bei allen den Bezeichnungen, welche dem Vorstellungs-kreis der sittlichen Billigung und Missbilligung angehören, die reli-
*) Grimm’s Wörterbuch, III, S. o4.