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Die Sprache und die sittlichen Vorstellungen.
übereinstimmenden Urbedeutung aus sieb zu Gegensätzen entwickel-ten, ist nur durch jene Uebertragung von aussen nach innen mög-lich, bei der ein und dasselbe sinnliche Bild je nach der Beleuch-tung, in der es gesehen wird, einen völlig abweichenden Gefühls-und Begriffswerth gewinnen kann. Im einen Fall wird das Geradezum Symbol eines guten, Trug und Winkelzüge verschmähendenCharakters; im andern Fall kann es die beschränkte, nur niedrigeund selbstsüchtige Zwecke verfolgende Gesinnung bezeichnen.
Wie in den bisher besprochenen Beispielen die Vertiefung derBedeutung darauf beruht, dass äussere Eigenschaften in innere über-gehen, so kann nun das nämliche Resultat auch erreicht werden,,indem Ausdrücke, die sich auf die Werthschätzung der Eigen-schaften durch Andere beziehen, in ähnlichem Sinne ihre Bedeutungverändern. Denn in Ausdrücke für moralische Eigenschaften, wieGut und Böse, und in Ausdrücke für die Werthscliätzung moralischerEigenschaften, wie Achtung und Verachtung, theilt sich überhauptder gesammte ethische Wortschatz der Sprache. Bei der zweitendieser Classen kann aber zugleich noch die weitere Veränderungstattfinden, dass Bezeichnungen, die ihr angehören, in Begriffssymboleder ersten Classe sich umwandeln, dass sie also ihre objective gegeneine subjective Bedeutung eintauschen, eine Veränderung, die imallgemeinen ebenfalls dem Process der Verinnerlichung der sittlichenAnschauungen zuzurechnen ist. Denn die sittliche Charaktereigen-schaft hat unter allen Umständen einen höheren ethischen Gefühls-werth als der ihr entsprechende Ausdruck des Lobes oder Tadels-oder der sonstigen äusseren Folgen der sittlichen Gesinnungen undHandlungen. An dem Edelmuth des Charakters haftet ein inten-siveres Gefühl als an Lob und Billigung; und ähnlich überragenSünde und Schuld die Vorstellungen von Sühne und Strafe. Wäh-rend der Begriff der Tugend von Anfang an subjectiv ist, aber sichvertieft durch die Verinnerlichung der Eigenschaften, auf die er sichbezieht, wirkt bei dem Laster zu dem nämlichen Erfolg noch dasandere Moment mit, dass das Wort ursprünglich nur den Tadelbezeichnet, der von andern ausgesprochen wird, und allmählich erstauf die tadelnswerthen Eigenschaften selbst übergeht.
Es kann aber auch der ethische Begriff seinen objectivenInhalt bewahren und nur von der Beurtheilung des Aeussern aufdie des Innern übertragen werden. So bezeichnet die Achtungursprünglich die Aufmerksamkeit, die man einem Andern vermögeseines Vorrangs erweist, entsprechend dem noch heute erhaltenen