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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Sprache und die sittlichen Vorstellungen.

vernünftigen Einsicht (den dianoetischen) sonderte, wonach dannvon seiner Schule die Erörterungen über das ganze Gebiet allgemeinalsEthisches (Yjfhz.ä) bezeichnet wurden, hatte er zunächst dasYjhoc im Sinne von Charakter und Gemüth im Auge. Da er nunaber den Haupteinfluss auf die Entstehung und Befestigung dersittlichen Eigenschaften bei den Verstandestugenden der Belehrung,bei den Charaktertugenden der Uebung einräumte, schien ihm dieseBeziehung schon durch die nahe Verwandtschaft der Wörter Yjtto?.und s'hoc nahe gelegt *). Auch die neuere Sprachwissenschaftbetrachtet diese Wörter als ursprünglich identisch, und sie hat sich; also hier für den etymologischen Versuch des alten Philosophen ent-schieden. Aber in dem Sprachgebrauch seiner Zeit wurde doch dieBedeutung beider als eine verschiedene empfunden. Während dasi'doc, ähnlich dem stammverwandten lateinischen consuetudo, mehrdie äussere Angewöhnung betonte, hat bei dem rftoc der früheingetretene und noch bei Homer erhaltene engere Gebrauch für dieWohnstätte von Menschen und Thieren eine Uebertragung aufdie durch die vertraute Umgebung bewirkte Gemüthsstimmung her-vorgerufen, ein Bedeutungswandel, wie er so häufig der Bildungvon Bezeichnungen für Seelenzustände und geistige Eigenschaftenzu Grunde liegt. Sicherlich hat Aristoteles, als er die auf Gemüthund Charakter beruhenden Tugenden die ethischen nannte, zunächstnur an jene übertragene Bedeutung gedacht, durch die für uns heutenoch dasEthos einen von der Sitte specifisch verschiedenen Sinnbesitzt, und die etymologische Beziehung auf das ähnlich klingendeWort, das ihm in der BedeutungGewohnheit geläufig war, istein Gedanke, der dem Philosophen erst durch seine ethische Theorienahe gelegt wurde; schwerlich aber verdankt umgekehrt diese Theoriejener dem allgemeinen Sprachbewusstsein längst entschwundenenetymologischen Beziehung ihre Entstehung.

Die Körner, wie sie in ihrer philosophischen Terminologieüberhaupt auf Entlehnungen aus dem Griechischen angewiesenwaren, haben auch auf ethischem Gebiet sich solcher bedient undso vor allem den Ausdruckmoralis, der dann derphilosophiamoralis das Dasein gegeben, im directen Anschlüsse an Aristotelesgeschaffen. Cicero bemerkt an der Stelle, wo er das Wort ein-führt, ausdrücklich, dass er es,um die lateinische Sprache zu be-

*) Ethic. Nieom. ß, 1, und damit nahe übereinstimmend Magn. moralA, 0: to yPfl'toc Omi toö sDtj'jc syst ty]v eittuvopiav.