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Die Menschheit.
Idee der Menschheit, ursprünglich nicht aus Interessen des Ver-kehrs und der wirthschaftlichen Güterverwerthung hervorgegangen,sondern seihst schon auf geistigem Boden entstanden ist. Wieim Einzelleben der Völker, so hat auch für das Gesammtleben der-selben die Religion die erste Vermittlerin eines Bewusstseins derGemeinschaft gebildet. Nachdem die antike Cultur einen gemein-samen geistigen Besitz tliatsächlich geschaffen, hat das Christenthumzuerst die Forderung einer geistigen Gemeinschaft in der Form derGlaubensgemeinschaft erhoben. Ihr folgend sind dann Wissen-schaft und Kunst zu einem Allgemeinbesitz geworden, an dem sichVölker und-Zeiten nach Massgabe der ihnen durch natürliche Anlageund geschichtliche Bedingungen zugefallenen Aufgaben betheiligen.So ist in Wahrheit die geistige Gemeinschaft früher gewesen als diematerielle, und die letztere hat in dem Bewusstsein der Gleichberech-tigung, welches die Uebereinstimmung der geistigen Interessen er-zeugte, ihre mächtigste moralische Stütze gefunden. Galt doch Jahr-hunderte hindurch ein friedlicher Verkehr nur zwischen christlichenStaaten als möglich, und gemeinsame Bekämpfung der Ungläubigenwar einer der frühesten Anlässe, der Völkerbündnisse von freilichmeist vorübergehender Art herbeiführte. Jene politische Ver-einigung der Culturstaaten zu Zwecken gemeinsamer friedlicher Arbeit,bei der materielle Existenzfragen zunächst im Vordergrund stehen,bildet so den letzten, nicht den ersten Schritt auf der Bahn dieserEntwicklung.
Um so folgenreicher ist aber dieser Schritt für die fernerenGestaltungen des sittlichen Lebens geworden. Während die dauernderenBürgschaften gegen kriegerische Verwicklungen eine ununterbrocheneEntfaltung der geistigen Kräfte gestatten, beginnt zugleich der Ver-kehr eine ähnliche Wirkung auf die Völker zu äussern, wie sie derEinzelne durch das gesellschaftliche Leben erfährt. Aus einemfriedlichen Wettkampf materieller und geistiger Interessen entspringtallmählich auf materiellem Gebiet eine die allgemeinen Bedürfnissefördernde Arbeitstlieilung, auf geistiger Seite eine wechselseitige Er-gänzung der den nämlichen Aufgaben zugewandten Kräfte und ingewissem Grade seihst ein Austausch und eine Ausgleichung derAnschauungen, welche der menschlichen Ausbildung der Nationenwie der Individuen zu statten kommen.
Verfehlt würde es freilich sein, wenn man von diesem geistigenIneinslehen ein Verschwinden der nationalen Unterschiede der Be-gabung und des Charakters erwarten oder gar hoffen wollte. Die