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Die Menschheit.
das geistige Erbe der Vergangenheit mit bewussterer Schätzungseines Werthes und der Bedingungen unter denen es errungen an-getreten. So hat schon Rom an den Schätzen griechischer Wissen-schaft und Kunst sich erfreut und namentlich ist die Zeit der Wieder-erneuerung der alten Cultur überall liebevoll den Spuren antikerBildung gefolgt. Aber noch bleibt auch hier der Blick, der denZusammenhang des geistigen Lebens zu übersehen beginnt, derVergangenheit ausschliesslich zugewandt. Dass nicht minder inGegenwart und Zukunft die Menschheit ein gemeinsames Leben zuführen berufen sei, ist ein Gedanke, der nur in vereinzelten Geisternaufzuleuchten beginnt. Nicht die Kunst oder die Wissenschaft,sondern das in eminentem Masse den Aufgaben der Gegenwart zu-gewandte politische Leben ist es, das in der Begründung all-gemeingültiger Rechtsanschauungen und eines allgemeinen Verbandesder Culturstaaten zuerst die Idee der menschlichen Gemeinschaft zuihrer immer mehr wachsenden praktischen Geltung gebracht hat.Der Politik tritt als helfende Dienerin die Geschichte zur Seite,die aus dem Leben der Vergangenheit Aufschlüsse Uber die Zukunftzu gewinnen sucht, damit nun die aus ihren Lehren schöpfendeStaatskunst sich selbst ihren Erfolg sichere, indem sie von den ge-schichtlichen Ideen erfüllt wird, zu deren Vollbringung sie be-rufen ist.
Gewiss ist das fast in allen geschichtsphilosophischen Theorienwiederkehrende Bild, welches die Perioden der Geschichte mit denEntwicklungsstufen des individuellen Lebens vergleicht, in vieler Be-ziehung ein unzulängliches. Namentlich die Einheit des persönlichenWollens und Handelns fehlt dem geschichtlichen Leben nothwendigimmer, und dieses bietet daher überall einen Reichthum gleichzeitigerEntwicklungen, der vieles, was im Einzelleben nur in der Formdes Nacheinander möglich ist, in der des Nebeneinander hervor-bringt. Aber in einem Punkte kann jenes Bild immerhin zur Ver-deutlichung des allgemeinen Verlaufs dienen, den das Gesammtlebender Menschheit in der Geschichte genommen hat. Dem Einzel-bewusstsein strömen ursprünglich zufällig und ungesucht die Ein-drücke zu, aus denen es sich seine Vorstellungen aufbaut. Wenndiese Vorstellungen gleichwohl in einen inneren Zusammenhang treten,so ist letzterer mehr ein passiv gewordener als ein activ gewollter.Mit reifender Willensentwicklung ändert sich dies Verhältniss. Dieäussern Einwirkungen behalten zwar fortan ihren Einfluss, aber ihnentritt als ein anfänglich untergeordnetes, dann immer mehr vorwaltendes