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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Staat als Bildungsgemeinscliaft.

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wollen, seinen Kindern als geheiligte Wahrheit zu überliefern waser selber nicht glaubt.

Wenn die Einheit des staatlichen Lebens eine von politischenund confessionellen Unterschieden unabhängige Einheit des öffent-lichen Unterrichts forciert, so schliesst nun diese letztere nicht aus,dass provinzielle und sonstige äussere Lebensverhältnisse berechtigteUnterschiede herheiführen können, wenn diese auch vielleicht nureine transitorische Bedeutung besitzen. In der That ist in dieserBeziehung selbst der Unterschied zwischen Stadt und Land schondarum kein unbedingt bleibender, weil die zunehmende Beweglich-keit der Bevölkerung eine wachsende Ausgleichung auch der Bil-dungsbedürfnisse mit sich bringt.

Von grösserer Wichtigkeit ist der mit der Scheidung der Ge-sellschaftsclassen zusammenhängende Unterschied der niederen undmittleren Bildung, wie er in dem Gegensatz der eigentlichen Volks-schule und derBürgerschule oder, wie sie heute wenig passendgenannt wird, derRealschule ausgedrückt ist. Indem diese, wie derName Bürgerschule es andeutet, in höherem Masse die zum bürger-lichen Beruf erforderlichen Bildungshülfsmittel darbietet, gewährtsie allen durch Besitz und Ansehen Bevorzugten eine zureichende all-gemeine Bildung, wobei sie nur die gelehrte Berufsbildung ausschliesst.Selbst bei diesen Stufen des niederen und mittleren Unterrichts ist frei-lich ein Streben nach Ausgleichung nicht zu verkennen. Immerhinwerden hier gewisse Unterschiede an die Unterschiede der gesell-schaftlichen Stellung gebunden bleiben. In dem Masse aber als dieletztere nicht mehr bloss von Geburt und ererbtem Besitz abhängt,beginnt auch bei dem Unterricht die geistige Anlage grössere Rechtegeltend zu machen, da es dem Einzelnen der befähigt ist leichtermöglich wird an einem besseren Unterricht tlieilzunehmen. DieseErleichterung des Uebergangs von eiuer Unterrichtsstufe zur andernist dann selbst wieder das hauptsächlichste Hülfsmittel, um jenewohlthätige Beweglichkeit der Gesellschaft hervorzubringen, diedem Talent Raum gibt sich in dem ihm angemessenen Beruf zuentfalten.

Eine noch bleibendere Grenze ziehen die Formen des Lebens-berufs zwischen der auf den niederen und mittleren Stufen ver-tretenen allgemein humanen und der in den höheren Unterrichts-anstalten gepflegten wissenschaftlichen Bildung. Auch siefreilich soll so wenig wie die vorige eine ausschliesslich fachliche