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Der Staat.
nennen — dann würde sich voraussichtlich die Gemeinde der Den-kenden nicht nur sondern auch die der wirklich Religiösen in zuneh-mendem Masse von ihr abwenden. Und welche Vorstellungen müsstenwir uns von dem Werth der religiösen Erziehung machen, wenndieser Werth vornehmlich in jenen bekanntlich aus einer verwickel-ten Wechselwirkung religiöser Ideen und philosophischer Systemeentstandenen Dogmenbildungen bestände, die für das kindliche Ge-müth offenbar nur deshalb verhältnissmässig unschädlich sind, weilsie zumeist überhaupt nicht mit dem Gemüth, sondern nur mit demGedächtnisse angeeignet werden? Nicht in diesen künstlichen Ge-dankenbildungen des theologischen Scharfsinns der Jahrhunderte,sondern in der schlichten, jeder Stufe der geistigen Entwicklunggleich zugänglichen Lehre Jesu und in dem menschlichen, vonden mythologischen Trübungen einer wundersüchtigen Zeit befreitenTheil der neutestamentliclien Geschichte besteht sicherlich der blei-bende sittliche Werth des Christenthums.
Denn Uber eines sollte man sich keiner Täuschung mehr hin-geben. Jener Glaube, der den Stifter der Menschheitsreligion zumGott macht und ihn dadurch in Wahrheit seiner menschlich sittlichenBedeutung entkleidet, der Glaube der Trinität und der Wunde] - hatheute auch bei denen, die sich mit voller Ueberzeugung noch Christennennen, seine Macht eingebüsst, und die Zahl derer, die dem Systemdogmatischer Ueberlieferungen völlig entfremdet sind, hat in demMasse über alle Stände und Bildungskreise sich ausgebreitet, als dieUeberzeugung eine allgemeine geworden ist, dass jenes System mitallen andern Bestandteilen unserer geistigen Bildung im Wider-spruch steht. Soll nun, damit die Menschheit die naive Glaubens-freudigkeit früherer Jahrhunderte wiedergewinne, unsere geistigeBildung rückwärts gehen, oder soll das Christenthum selbst, um nochin der heutigen Welt seinen Werth zu bewahren, wie alles geschicht-lich gewordene vorwärtsschreiten? Die Antwort auf diese Fragekann schwerlich zweifelhaft sein. Die Entscheidung darüber, inwelchem Geiste der religiöse Theil der öffentlichen Erziehung zuleiten sei, ist aber nicht einmal von ihr abhängig. Jene allgemeinmenschlichen Grundlagen der christlichen Weltanschauung müssenauch für den ihren Werth behalten, der neben ihnen die specifischenUeberlieferungen seiner Kirche nicht missen möchte, und es stehtihm frei die letzteren ergänzend hinzuzufügen. Den aber, der davondurchdrungen ist, dass ein Christenthum das heute noch lebens-fähig bleiben will keine Mythologie duldet, kann man nicht zwingen