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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Staat als Bildungsgenieinschaft.

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Juden, die, wenn sie sich auch dem Einflüsse des Christenthums aufunsere sittlich-religiöse Weltanschaung nicht entziehen, doch den Stoff,der ihnen hier dargeboten wird, zurück weisen, kann kein für dieErziehung der Gesammtheit der Staatsangehörigen entscheidenderEinfluss zukonnnen. Man wird es ihnen überlassen dürfen, für diereligiöse Bildung ihrer Jugend ausserhalb der Schule Sorge zutragen; aber man wird nicht verlangen können, dass die öffentlicheErziehung durch die Rücksicht auf solche Ausnahmefälle bestimmtwerde. Anders steht es mit den verschiedenen christlichenKirchen und Confessionen. Da sie alle in dem Leben und derLehre Jesu diejenige geschichtliche Gestaltung des religiösen Be-wusstseins anerkennen, die unser sittliches Leben in allen seinenRichtungen beherrscht, so müssen sie auch eben in diesem Inhalt,wie er unabhängig von später gekommenen dogmatischen Ge-staltungen und von den unserer heutigen Erkenntnissstufe wider-streitenden Bestaudtheilen der Ueberlieferung sich darstellt, die all-gemeine Grundlage eines christlichen Religionsunterrichts erblicken.Ein in seiner gesammten Cultur christlicher Staat, der zugleich denverschiedensten Formen christlicher Glaubensbekenntnisse in sichRaum gibt, kann also nur ein undogmatisches, den christlichen Con-fessionen gemeinsames Christenthum zur Basis des religiösen Theilsseiner öffentlichen Erziehung machen, während er die confessionelleund dogmatische Unterweisung dem freien Ermessen der Confessionenund ihrer Angehörigen überlassen muss.

Seltsamerweise wird nun heute zumeist von solchen, die demreligiösen Interesse zu dienen meinen, ein confessionsloser Religions-unterricht als werthlos, eine religiöse Erziehung, die nicht auf demBoden eines bestimmten Glaubensbekenntnisses steht, als gleich-bedeutend mit religionsloser Erziehung verworfen. Man muss zuEhren derer, die solche Meinungen gelassen aussprechen, annehmen,dass sie sich der Tragweite ihrer Worte nicht bewusst sind. Dennwenn es wirklich an dem wäre, dass nicht das Leben und die LehreJesu, sondern die Confessio Augustana oder die Beschlüsse des Triden-tinum für uns heute das ausmachten was wir christliche Religion

eintreten werden, der dessen Einfluss auf die Erziehung wieder in Frage stellt.Nur dann hat jene Reform einen Sinn, wenn man im Widerspruch mit derGeschichte und der Natur des Menschen das Bxistenzrecht der Religion über-haupt bestreitet und zu einem Vernichtungskampf gegen sie entschlossen ist,der dann natürlich bei der Schule beginnen muss.