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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Staat als Gesellschaftseinheit.

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Scheidungen schliesslich auf dem einigenden Streben, welches überallden Menschen mit Seinesgleichen zusammenführt. Aber indem sichdies Streben hier erst in engsten Kreisen bethätigt, bildet es dasgrösste Hinderniss für die vollkommenere Einigung der Volks-genossen im Staate. Jeder jener engeren Verbände sucht, so langedas Staatsgefühl hinter den von ihm vertretenen beschränkterenInteressen zurücktritt, ein selbständiges Ganzes für sich zu sein,welches nur ungern einen über ihm stehenden Willen anerkennt.

Die historischen Bedingungen der gesellschaftlichen Entwick-lung haben es mit sich geführt, dass jene centrifugalen Bestrebungenerst allmählich entstehen und wachsen konnten. Auf den Anfangs-stufen der Cultur ist entweder die gesellschaftliche Gliederung zuunvollkommen, oder die Autorität einzelner herrschender Gesell -schaftsclassen ist zu mächtig, um ein selbständiges Nebeneinander-bestehen verschiedener Verbände möglich zu machen. In diesemSinne ist der Staat früher als die Gesellschaft, und es ist sicherlichein Glück dass es so ist, dass, als die Kämpfe der Gesellschafts-classen begannen, immerhin eine überlieferte Staatsgemeinschaftüberall schon da war. Auf diese Weise wandelten sich jene Kämpfezumeist in eine Rivalität um die Herrschaft, manchmal freilich auch,wie in den deutschen Städten des Mittelalters, in ein Nebeneinander-bestehen selbständiger Verbände um, neben denen die Staatseinheitzu einem blossen Schein herabsinken konnte. So ist die Entwick-lung des Staatslebens erfüllt von dem Kampf des Staates mit derGesellschaft. Wenn der Staat aus diesem Kampfe schliesslich alsSieger hervorging, so sind gleichwohl jene trennenden Kräfte derGesellschaft auf ihn nicht ohne Einfluss geblieben. Um sich dieGesellschaft friedlich zu assimiliren, musste er sich selbst denScheidungen die sie erzeugt hatte anpassen. So hat die Gliederungder Gesellschaft auf den Staat organisirend zurückgewirkt. Die inSitte und Lebensbedürfnissen wurzelnden Sonderungen der gesell-schaftlichen Kräfte haben wichtigen politischen Institutionen ihrenUrsprung gegeben und sind ihrerseits durch diese gefestigt worden.Auf diese Weise ist aus der Gliederung der Gesellschaft erst dievollkommenere Gliederung der staatlichen Functionen hervorgegangen,und durch die letztere hat der Staat seinerseits die Fähigkeit ge-wonnen richtunggebend und lenkend der Gesellschaft und ihrenverschiedenen Lebenskreisen gegenüberzutreten. Der Staat ist nun-mehr nach .einer wesentlichen Seite seiner Thätigkeit Organisationder Gesellschaft.