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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Staat.

mehr durch wachsende Einsicht und eigene Betheiligung an denAufgaben des Staatslebens der Gemeinsinn und die Liebe zu denalle Einzelinteressen weit überragenden Gütern des geistigen Ge-sammtlebens zugenommen hat, um so mehr muss nun auch jeneindividuelle Verkörperung des Staatsbewusstseins als eine werthvolle,weil allen Volksgenossen gleich zugängliche symbolische Formerscheinen, welche aber immerhin hinter dem Inhalte den sie birgtzurücktreten soll. Auf dieser höheren Stufe wird nun gerade dieallgemeine Natur des Staates als eine Eigenschaft empfunden,welche seinen Werth für den Einzelnen nicht vermindert sondernverstärkt. Denn die höchsten Güter denen der Mensch sein Lebenweiht gewinnen überall erst dadurch ihren Werth, dass sie ihmnicht unmittelbar als Einzelwesen die ihm gleichen gegenübertreten.Jede Hingabe fordert Selbstlosigkeit; diese aber ist in ihrer reinstenForm nur da möglich, wo wir nicht mit einem andern Selbst es zuthun haben.

3. Der Staat als Gesellschaftseinheit.

Staat und Gesellschaft sind gleich ursprünglich. Die Be-dingungen, welche die staatliche Einheit begründet haben, sind dienämlichen, aus denen auch die Verbindung der verschiedenen Stände,Besitzclassen und Berufsformen zu einer Gesellschaft hervorging.Ja diese beiden Vorgänge sind überhaupt nicht von einander ver-schieden zu denken: die Gesellschaftsglieder sind unabhängig vonder Existenz des Staates aus den allgemeinen Lebensbedingungenentstanden; doch die Verbindung dieser Glieder zur Gesellschaft istdas Werk des Staates, der diese Einigung immer fortführt, seiner-seits aber nicht minder in seinen Einrichtungen von der Beschaffen-heit der Gesellschaft abhängt.

Dieses Wechselverhältniss bringt es mit sich, dass Staat undGesellschaft, so innig sie auch auf einander angewiesen, ja so wenigbeide ohne einander möglich sind, doch in dem Gesammtleben derMenschheit als entgegengesetzte Kräfte erscheinen, die lange Zeitmit einander im Kampfe liegen. Die Gesellschaft ist überall voncentrifugalen Impulsen beherrscht. Sie strebt die räumlich nebeneinander Lebenden und auf einander Angewiesenen zu trennen, indemsie in Geburts- und Besitzclassen, Berufsstände und Interessen-verbände und nach der Höhe der geistigen Bildung ihre Mitgliederin verschiedene Lebenskreise scheidet. Freilich beruhen auch diese