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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Gesellschaft.

heit erst möglich macht, dies wird allezeit die Aufgabe einerwahrhaft sittlichen Gesellschaftsordnung bleiben. Immerhin hat hierdie Forderung der Existenzmöglichkeit den Werth eines ethischenMinimums, das, so gering sein Inhalt sein mag, noch nicht über-holt ist, so lange gelegentlich selbst die unverschuldete Notli ret-tungslos dem Untergange preisgegeben wird.

Alle diese Maximen leiden jedoch, abgesehen davon dass sietheils einseitig theils ungenügend sind, an dem Mangel, dass sie nurdie materielle Seite des Daseins ins Auge fassen, die in ethischerBeziehung immer nur Mittel zum Zweck, niemals aber selbst Zwecksein kann. Und der nämliche Fehler ist es, dem in umgekehrterRichtung die utopistischen Gesellschaftsideale von Thomas Morus anbis herab auf Bellamy und Andere verfallen. Sie schildern idealeBesitz- und WirthschaftsVerhältnisse, denen der geschichtliche Zu-sammenhang mit der heutigen Cultur völlig fehlt. Dass zur Her-vorbringung solch gewaltiger Umwälzungen vor allem die Men-schen andere geworden sein müssten, bleibt ganz ausser Betracht.So wird hier das allein richtige Causalverhältniss umgekehrt. Nichtdie Menschen sollen die Einrichtungen, sondern die Einrichtungensollen die Menschen hervorbringen. Gewiss kann die Gesellschafts-ordnung Gutes wie Uebles stiften. Aber damit eine Gutes wirkendeOrdnung sich entwickeln könne, dazu müssen die wirkenden Kräfteschliesslich doch von den Einzelnen ausgehen. Gerade die utopisti-schen Ideale widerstreiten aber, indem sie nur auf Grund einerzwangsweisen Neuordnung der Verhältnisse denkbar sind und dem-gemäss auch in die Schilderung des Ideals das Princip des Zwangsoffen eingestanden oder stillschweigend hinübertragen, eben der per-sönlichen Freiheit, welche die Lebensluft sittlicher Entwicklung ist.So würde denn jenes Ideal, auf die Menschen wie sie sind über-tragen, kein Ideal sondern eine Anstalt zur Verkümmerung allerselbstthätigen sittlichen Regungen sein. Für die idealen Menschenaber die es voraussetzt würde es nicht minder das Gegentheil einesIdeals bedeuten, weil die Zwangsordnung die ungünstigste und in-adäquateste Lebensform ist, die eine Gemeinschaft sittlicher Wesensich wählen kann. Wäre daher die Insel Utopien wirklich gefun-den alles würde aus ihr wieder entfliehen wollen, die Guten weiles ihnen an Gelegenheit fehlte aus eigener Kraft Gutes zu thun, dieSchlechten weil sie wohl auch in Zukunft die Freiheit dem Zucht-hause vorziehen werden.

Alle solche Reformpläne, die in einer gleichen oder in einer