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Die Gesellschaft.
denden Mannigfaltigkeit der sittlichen Aufgaben und Bestrebungeneine immer vollkommenere und mannigfaltigere Gliederung herbei.Wie die Entwicklung der lebendigen Organismen nicht die Differen-zirung der Organe aufbebt, sondern sie vielmehr vergrössert undfreilich auch zugleich verfeinert, so führt nicht minder die Vervoll-kommnung der socialen Organisation den Weg vom Einfacheren zumVerwickelteren, nicht umgekehrt. Was jene Täuschung zuweilenentstehen liess, ist lediglich die von diesem Process an sich ganzunabhängige Thatsache, dass auf die Stellung, die der Einzelne inder Gesellschaft einnimmt, die ererbten und nicht von persönlichenVorzügen bestimmten Eigenschaften einen immer geringeren, die er-worbenen, unter ihnen vor allem geistige Bildung und Charakter-entwicklung, einen immer grösseren Einfluss ausüben.
Jener Bedingung, dass die Gesellschaft sich aus activen undpassiven Elementen zusammensetzt, entspricht nun durchaus dieGliederung in zwei Classen: in eine höhere, die für die Ausbildungactiver geistiger Träger des gesellschaftlichen Lebens die Vorbe-dingungen darbietet, und in eine niedrigere, die als empfangendesGesammtbewusstsein sich verhält und nun dem was die activenElemente geschaffen die nothwendige Festigung und Sicherungdurch die Wirkung auf den Gesammtwillen verleiht. Es leuchtetein, dass dieses Verhältniss um so günstiger wird, je mehr geistigeBildung und sittliche Willensenergie die entscheidenden Factoren beider Bestimmung der gesellschaftlichen Stellung abgeben, und jeleichter es daher dem Einzelnen gemacht ist durch eigene Tüchtig-keit sich aus der niederen in die höhere Gesellschaftsclasse empor-zuschwingen oder innerhalb der letzteren eine einflussreichere Stel-lung zu erringen.
Wie aber hierin zunächst nur die Scheidung in zwei Classenihre Begründung findet, so beruht wohl überhaupt die Abtrennungeiner höchsten Stufe aus der höheren auf andern Bedingungen, diezwar nicht die Ursachen ihrer Entstehung, sicherlich aber die Motiveihrer Erhaltung sind. Je mehr durch die freie Wettbewerbung umdie gesellschaftliche Stellung die Grenzen der einstigen Ständeschei-dung verflüssigt werden, um so wünschenswerther scheint es, zu derhierdurch bewirkten fortwährenden Bewegung der Gesellschaft eineArt Gegengewicht zu schaffen in einer mehr stabil bleibenden Classe,welche die Träger der höchsten Staatsgewalt umgibt. Es waltet hierderselbe Beweggrund, der durch die Fixirung der Fürstengewalt ineiner bestimmten Familie den Staat vor den Schwankungen der