Die Gesellschaftsclassen.
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für künftige Entwicklungen und vermittelt so jene Continuität desgeistigen Lebens, die zu jedem Fortschritt unerlässlich ist*).
Damit nun die Gesellschaft diese bedeutsame Wirkung ausübenkönne, muss sie selbst in active, an der Vermehrung der geistigenSchätze direct betheiligte, und in passive, die neuen Gedankenund Willenskeime aufnehmende und bewahrende Elemente zerfallen.Bei der stetigen Abstufung aller geistigen Zustände und der unge-heuren Zersplitterung jener neuen Errungenschaften in eine Mengevon Einzelentwicklungen, von denen manche sich unscheinbar alsmitwirkende Factoren und Bedingungen in einer Fülle vielgestaltigerErscheinungen verbergen, kann dies aber nicht etwa so geschehen,dass die Individuen denen die active Bolle zufällt überall deutlichgeschieden aus ihrer Umgebung hervorragen, sondern es muss jeneWechselwirkung in der Scheidung der Gesellschaft selber sich vor-bereiten. Dies wird in um so höherem Grade geschehen, je ent-wickelter die Gesellschaft ist, je mehr also die Befähigungen zueiner activen Wirksamkeit im Dienste des sittlichen Lebens in ihrverbreitet sind. Während es daher auf primitiven Stufen wohl Vor-kommen mag, dass das Ganze der Gesellschaft der Gliederungen ent-behrt und nur einzelne führende Geister über die andern emporragen,wird dies mit der intensiven und extensiven Zunahme der sittlichenCultur immer unmöglicher. Was vorher wenige Einzelkräfte ge-leistet, das vertheilt sich nun an eine grössere Summe solcher, undje verwickelter die Leistungen werden, um so nötkiger wird es,dass auch unter ihnen wieder eine Gliederung eintrete, innerhalbderen die relativ schwächeren Geister im Dienste der Ideen arbeiten,deren Hauptträger zwar der Entwicklung ihre Bahnen anweisen,ohne sie aber im einzelnen bestimmen zu können. Es gibt keinGebiet des geistigen Schaffens, wo diese Wahrheit nicht ihre Be-stätigung fände, von der staatsmännischen Thätigkeit, Wissenschaftund Kunst an bis herab zu den nur vorübergehenden Zweckendienenden Beschäftigungen des praktischen Lebens. Alle diesegeistigen Gebiete sind aber bald direct bald indirect Hülfsmitteloder Bestandtheile der sittlichen Cultur.
So besteht denn auch der Entwicklungsprocess der Gesell-schaft keineswegs darin, dass dieselbe mehr und mehr einer völligenAuflösung in gleichartige Elemente entgegengeht; sondern derFortschritt des sittlichen Lebens führt im Interesse der grösser wer-
! ) Vgl. oben Absckn. III, Cap. I, S. 459 f.