Die Familie.
619
dem Leben scheiden an ihre Kinder abzugeben. Die unter beson-deren Verhältnissen zuweilen vorkommende Sitte, dass die Frauihren gesonderten Besitz behält, oder dass sie gar ihre eigene Wirth-schaft führt, widerspricht den natürlichen Bedingungen des Familien-lebens : sie bildet den ersten Schritt zu einer Trennung der Interessen,welche naturnothwendig auch die übrigen Lebensgebiete ergreifenund auf diese Weise die sittlichen Grundlagen der Familie zerstörenmuss, indem sie dieselbe auf ihre ursprüngliche Stufe, die der blossäusserlichen Geschlechtsgemeinschaft wieder zurückdrängt. Fällt,wie es bei vielen und namentlich bei den höheren Berufsformendurchgängig stattfindet, der Erwerb allein dem Manne zu, so bleibtin der Sorge für die Erhaltung des Besitzes und besonders in seinerVerwerthung für die Lebensbedürfnisse der Familie der Frau einwichtiges Gebiet der Thätigkeit, von welchem das Gedeihen der ge-meinsamen Wirthschaft und mit ihm alles was mit Hülfe derselbendie Familie leisten soll abhängt.
Nur in beschränkterer Weise verfolgt die Familie in Bezugauf die zweite der allgemeinen Richtungen des Lebens, den Beruf,unmittelbar gemeinsame Zwecke. Wirkliche Berufsgemeinschaftkann sie allein unter verhältnissmässig einfachen Bedingungen undbei Berufsformen sein, welche dem Mann und der Frau eine gleicheoder ähnliche Betheiligung an der Berufsarbeit ermöglichen. Fastnur noch in dem Leben des kleinen Landmanns sind diese Bedingungennahezu erfüllt. Eine günstige sittliche Wirkung lässt sich aber einerderartigen Gemeinschaft der Arbeit um so weniger zuschreiben, jemehr dabei die den physischen Unterschieden angemessene Arbeits-tlieilung verschwindet und dadurch namentlich das Weib zu Leistungengenöthigt wird, die sein Naturell in entsprechendem Sinne zu ver-ändern streben. Ergänzung, nicht völlige Uebereinstinnnung derArbeit ist der Boden, auf welchem ein sittliches Familienverhältnisserblüht. Das in seinen Beschäftigungen zum Manne gewordeneWeib hat für diesen auch die Gemüthseigenschaften verloren, diees ihm werthvoll machen; seine Arbeit aber wird nicht mehr alseine qualitative Ergänzung zur Arbeit des Mannes geschätzt, sondernals eine quantitative Beihülfe ebenso wie von dem in Dienst ge-nommenen Arbeiter gefordert.
Den vollen Gegensatz zu diesem Zustande, wo die Berufs-theilung zwischen Mann und Frau eine völlig gleichmässige Theil-nahme an Arbeit und Erwerb herbeiführt, bildet der andere Falldar, wo Mann und Frau völlig verschiedene Berufe verfolgen.