Die geistige Bildung.
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bares Ziel erscheinen lässt, ohne dass dabei dem Einzelnen ein „sacri-ficiurn intellectus“ zugemuthet wird.
Besitz, Beruf, bürgerliche Stellung und geistige Bildung lösenunverkennbar einander ab in der Bedeutung, die sie für das Ver-hältniss des Einzelnen zu der Gesellschaft gewinnen. Zuerst be-stimmt der Besitz alles übrige: er ist ein ererbter, mit ihm zugleichder Beruf und die bürgerliche Stellung. Sie entscheiden in demMasse über den Erwerb geistiger Bildung, dass diese ausschliesslichein Vorrecht der Begüterten und Einflussreichen bleibt. Allmählichhat sich namentlich im Laufe der letzten Jahrhunderte dieses Ver-liältniss in dem Sinne verschoben, dass das Schwergewicht von demBesitz auf den Beruf, und in beiden wieder von dem ererbten aufden erworbenen übergegangen ist, wobei jedoch in Folge der Besitz-vererbung, der Einflüsse der Familie und der Erziehung die früherenVerhältnisse immer noch in gewissem Grade fortwirken. Schon aberbeginnt sich eine zweite Verschiebung vorzubereiten: der Uebergangvon der Werthschätzung nach dem Beruf zu der nach der geistigenBildung. In der Sitte kündet er vernehmlich sich an in den Hegeln,von denen sie den geselligen Verkehr abhängig macht. Freilichspielen hier auch heute noch Besitz und bürgerliche Stellung einenicht geringe Rolle. Wie mancher sonst vernünftige Mann rechnetes sich zur Ehre mit Reichen und Vornehmen zu verkehren, auchwenn der Reiche ein Taugenichts und der Vornehme ein Dummkopfist. Doch nicht nach solchen Schwächen, Uber die jeder lächeltwenn er sie an andern beobachtet, und die er nur meist an sichselber nicht merkt, sondern nach den Handlungen, die wir allebilligen, darf die Richtung beurtheilt werden, in der sich die Schätzungunserer Mitmenschen entwickelt. Hier aber ist der Grad der geistigenBildung der Massstab geworden, der unsere Ansprüche an denjenigenbestimmt, mit dem wir auf dem Fuss der geselligen Gleichheit ver-kehren. Wenn der Gelehrte gelegentlich ohne Bedenken einensubalternen Beamten oder Handlungsgeliiilfen, schwerlich jemalseinen Tagelöhner oder Fabrikarbeiter an seinen Tisch lädt, so liegtheute schon der entscheidende Grund kaum mehr darin, dass wirden Beruf des Einen für werthvoller oder auch nur für geistighöher stehend halten als den des Andern — dies dürfte in der Thatin vielen Fällen kaum zutreffen — sondern allein darin, dass dortdie gewohnheitsmässig mit dem Beruf verbundene geistige Bildungeine höhere ist als hier, und dass daher in jenem Fall eine Gemein-schaft der geistigen Interessen existirt, die wir in diesem vermissen.