Die geistige Bildung.
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keit hinstrebt, ohne es jemals erreichen zu können. Damit wirddas Ideal zu einem transcendenten und doch in den sittlichenTrieben seihst überall dem menschlichen Geiste immanenten, inder Entwicklung des sittlichen Geistes seiner Erfüllung’ in unbe-grenztem Fortschritte sich annähernden.
Dies transcendente sittliche Ideal stellt nun die Religion jeweilsin der einer gegebenen Stufe der Sittlichkeit und der geistigenBildung entsprechenden Form dar. Da die Religion der Vorstellungs-welt des Menschen angehört, so ist es unvermeidlich, dass auch sievon den Mängeln nicht frei ist, die der Wirklichkeit des sittlichenLebens anhaften. Aber ihr Ideal ist doch jederzeit vollkommenerals die Wirklichkeit, und so bleibt ihr die Idee, dass es ein Idealgeben müsse, an das keine Wirklichkeit heranreiche, als eine allenEntwicklungen gemeinsame und unverlierbare. Mag die philosophischeEthik schliesslich in dem nie rastenden Streben nach dem Idealvielleicht die einzige reale Bedeutung desselben erblicken wollen:das Ideal als solches wird dadurch nicht aufgehoben. Vielmehrbringt diese Anschauung nur die lebendige Wirklichkeit in um soinnigere Beziehung zu der idealen Welt der Religion und sichertum so mehr den rein idealen Werth der letzteren.
Wenn gleichwohl unter allen geistigen Interessen das religiöseunverkennbar am meisten in Gefahr steht unter der Zunahme dersonstigen Hülfsmittel der geistigen Bildung vorübergehend nothzu-leiden, so gibt es dafür hauptsächlich zwei leicht ersichtliche Gründe.Der erste besteht in der Verflachung der künstlerischen und wissen-schaftlichen Interessen. Gerade hier zeigt es sich augenfällig, wienahe diese verschiedenen Seiten des geistigen Lebens Zusammen-hängen. So gewiss wahre Wissenschaft und ächter Kunstgenusszur Religion zurückfuhren, so begreiflich ist es, dass ein äusserlichesHalbwissen und der Missbrauch der Kunst zu spielendem Zeitvertreibden entgegengesetzten Erfolg haben. Dass Vielwisserei und tech-nische Zurichtung für den praktischen Beruf nicht die Hauptzweckeeiner wissenschaftlichen Erziehung sein sollten, darüber sind ja inder Theorie wenigstens alle vernünftigen Pädagogen einig, wenn auchdie Praxis immer noch vieles sündigt. Aber die Kunst und nament-lich die populärste und sittlich wirksamste, die dramatische, wirdvon Staat und Communen fortan noch unter dem Gesichtspunkt einesgleichgültigen Zeitvertreibs wenn nicht betrachtet, so doch behandelt.
Ein zweiter noch tiefer gehender und wahrscheinlich schwererzu hebender Grund jener Entfremdung der Religion und der beiden