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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die einzelne Persönlichkeit.

bleibt derjenige, der nicht mindestens in der Darstellung des Ge-fundenen einen Hauch künstlerischer Phantasie verspürt, ewig einHandwerker.

Es ist merkwürdig, dass trotz dieser unzweifelhaften Wechsel-wirkungen zuweilen eine jener drei Gestaltungen, nämlich die derReligion, als eine allmählich verschwindende angesehen wordenist, indem man jene Stufe geistigen Interesses, welche ausschliesslichin religiösen Bethätigungen des Geistes ihre Befriedigung findet,für eine aussterbende hielt, wobei dann Kunst und Wissenschaftganz in die leer gewordene Stelle einrücken und nun selbstverständlichauch ihrerseits von den mannigfachen Beziehungen sich lösen sollen,die sie gegenwärtig noch zu dem religiösen Leben darbieten. Esmag hier ununtersucht bleiben, ob dabei nicht namentlich der Kunstihre werthvollsten Wirkungen abhanden kämen, ob z. B. kirchlicheMusik in der Form einer blossen Anempfindung an ein fremd ge-wordenes Gefühl einen mit der Stärke der wahren Empfindung irgendvergleichbaren Werth hätte. Auch die noch zweifelhaftere Frage,ob eine allgemeine Kunst- und Wissenschaftsbildung, wie sie hiervorausgesetzt wird, möglich wäre, und ob derideale Zustand denman dabei vor Augen hat nicht im Effect darauf hinausführte, dasser dem geistig Reichen jedenfalls zu dem was er schon besitzt nichtshinzufügt, dem geistig Armen aber alles nimmt was er überhaupthat, auch diese Frage soll hier nicht erörtert werden. Der ent-scheidende Punkt liegt nicht in diesen Folgen, die, wären sieauch noch so bedauernswerth, doch hingenommen werden müssten.Der Grundirrthum besteht vielmehr in der Meinung, dass die Reli-gion eine primitive durch die Wissenschaft zu verdrängendeAnschauungsform sei, eine Meinung die nur für die nicht-religiösen Bestandtheile des Mythus, für die Religion selbst abernicht zutrifft. Dass vielmehr die aus ihren mythischen Umhül-lungen zwar langsamer als die Wissenschaft, aber im allgemeinendoch in völlig übereinstimmender Weise sich lösenden religiösenIdeen ein geistiges Gebiet von selbständigem und bleibendem Werthesind, das zeigt gerade die ethische Selbstbesinnung. Die Ethik,will sie nicht an einzelnen äusseren Erscheinungsformen des Sitt-lichen kleben bleiben, sondern den letzten und dauernden Quellendesselben nachgehen, muss als die unvergänglichste, allen individuellenund socialen Strebungen wieder die Richtung gebende Triebkraftdes sittlichen Lebens den Trieb nach einem Ideal anerkennen, zuwelchem die durch die sittliche Handlung geschaffene Wirklich-