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Die einzelne Persönlichkeit.
Wort in jenem weiteren und gleichzeitig erschöpfenderen Sinne ge-nommen, in welchem es ganz besonders auch die Geschichte derKunst und Wissenschaft umfasst — gibt dem Gemälde der allge-meinen Geschichte erst jenen reicheren Hintergrund und jene lebens-vollere Gestaltung, mittelst deren sie einen tieferen Blick in dasWalten der geschichtlichen Gesetze eröffnet Die Philosoi7liie end-lich führt auf die letzte Höhe der Betrachtung, von der aus demEinzelnen sein Werth gewahrt bleibt, auf der es aber doch zugleichin seiner Sonderung verschwindet, um in einer allgemeinen ethischenWeltanschauung seine Stelle zu finden. Was die vorhergehendeStufe der Bildung in dem Ganzen der Natur und in dem Zusammen-hang der Geschichte mehr ahnend erfasst als wirklich erkannt hat,das bringt die Philosophie zu bewusster Gestaltung. Darum istunter allen Wissenschaften am meisten die Philosophie ein Vorrecht,aber auch eine unerlässliche Ergänzung der höheren Bildung; undes gibt kein sprechenderes Symptom für eine Bildung die auf Irr-wegen wandelt als die Erscheinung, dass der weitere Kreis der Ge-bildeten eine unverstandene oder allzu leicht verständliche Philosophiecultivirt *), während die sogenannten Gelehrten sich ohne alle Philo-sophie behelfen, natürlich um gelegentlich von dem kleinen Fensteraus, durch das sie die Welt betrachten, dennoch zu philosopliiren.
Wenn Religion, Kunst und Wissenschaft in der allgemeinenEntwicklung des geistigen Lebens die drei Stufen bezeichnen, indenen der Einzelne wie die Völker successiv mit den geistigen In-teressen in Berührung treten, so ist nun aber selbstverständlich dieseAufeinanderfolge nicht in dem Sinne zu nehmen, dass die frühereStufe verschwände, wenn die nächste zu ihr hinzutritt oder ihre voll-kommenere Ausbildung erreicht. Im Gegentheil, die Geschichte derCultur lehrt eindringlich, dass nicht nur die folgende Stufe jedesmalreiche Anregung aus der vorhergehenden schöpft, sondern dass sieauch ihrerseits wieder meist fördernd und lenkend auf dieselbezurückwirkt. So ist die Kunst aus dem religiösen Cultus hervor-gegangen, und fortan fliessen ihr aus dieser Quelle neue gewaltigeMotive zu. Aber sie hat auch zu einem nicht geringeren Theileveredelnd und läuternd auf die religiösen Gefühle zurückgewirkt-
*) Eine solche Philosophie führt zuweilen den passenden Titel „Mode-philosophie“. Wem würde es beikommen, von einer Modephysik, Mode-astronomie u. dgl. zu reden? Dass eine Wissenschaft unter dem Gesichtspunkteder Mode, dieser vergänglichsten und werthlosesten Abart der Sitte, betrachtetwird, ist das vernichtendste Urtheil das man über sie fallen kann.