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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die geistige Bildung.

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unmittelbar in die Sinne fällt, von dem Staat was ihn ein flüchtiggelesener Zeitungsartikel kennen lehrt, oder von der Geschichte wasdürftige Schulerinnerungen in ihm zurückgelassen haben!

In ihrer ethischen Wirkung unterscheiden sich jene drei Funda-mente allgemeiner Bildung wesentlich von einander. Die Naturkundeweckt in der Verfolgung der unverbrüchlichen Verkettungen der Natur-causalität den Sinn für strenge Gesetzmässigkeit, und sie erhöht dieethische Seite der ästhetischen Natureinflüsse, indem sie den Ein-druck des Ganzen durch die verständnissvolle Aufmerksamkeit aufdas Einzelne hebt. Die Staatslehre verleiht den sonst mit gewohn-heitsmässiger Gedankenlosigkeit geübten bürgerlichen Pflichten einenhöheren Werth, indem sie jede einzelne persönliche Leistung unterdem Gesichtspunkte des allgemeineren Zweckes dem sie dient auf-fassen lässt. Die Geschichte endlich erweitert diese Theilnahme anden Gesammtinteressen Uber den Umkreis der unmittelbaren Gegen-wart hinaus, indem sie einen Blick auf die höchste geistige Gemein-schaft eröffnet, in welcher alles einzelne Leben und Streben aufgeht.So steht jedes dieser grossen Wissensgebiete wieder zu einer derdrei Hauptseiten des sittlichen Lebens in nächster Beziehung: dieBeschäftigung mit der Natur dient, falls sie nur nicht bloss in eineräusseren mechanischen Uebung von Gedächtniss und Verstand auf-geht, vor allem der subjectiven ethischen Ausbildung; die Staats-lehre erzieht den Sinn für allgemeine sociale Pflichten; die Ge-schichte aber nimmt noch einmal alle sittlichen Kräfte in Anspruch,da sie an den wandelbaren Schicksalen der Einzelnen und der Völkerdie Idee einer allgemeinen ethischen Entwicklung der Menschheitzum Bewusstsein erweckt.

Zu diesen unentbehrlichen Grundlagen der geistigen Bildungfügen diejenigen Wissensgebiete, die wir als die Fundamente derhöhere n Bildung bezeichneten, Philosophie, Sprachwissenschaft undCulturgeschichte, keine wesentlich neuen ethischen Momente hinzu.Aber indem sie Natur und geistiges Leben zu einem umfassenderenBilde vereinigen und die Kenntniss dieses Bildes im einzelnen be-reichern , verleihen sie den sittlichen Einwirkungen eine grössereMacht und erheben die mehr instinctive Form des Einflusses, dieder vorigen Stufe eigen war, zu klarerem Bewusstsein. So besitztdie Sprachwissenschaft theils durch sich selbst theils durch dieSchätze des Denkens und künstlerischen Schaffens die sie erschliesstdie einzigartige Fähigkeit, in die Geisteswelt fremder Völker undferner Zeiten unmittelbar einzuführen. Die Culturgeschichte dieses