Die geistige Bildung.
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überdies die glückliche Eigenschaft, dass hier das wahre Kunstwerkallen geistigen Bildungsstufen Anregung bietet: Jeder entnimmt ihmGefühle, die in ihrer Richtung vermöge der Natur des dargestelltenGegenstandes übereinstimmen; aber Jeder schöpft diese Gefühle inder seiner eigenen Bildung angemessenen Form. Die reichere Bil-dung bringt manches hinzu, was dem minder entwickelten Kunstsinnentgeht. Dafür gebietet dieser zumeist über eine Frische und Kraftder Gefühle, die ihn für jenen Verlust von dem er nichts weissreichlich entschädigen können.
Die dritte Stufe geistiger Interessen ist die der Wissen-schaft. Ihrer Natur nach ist die Wissenschaft unter allen För-derungsmitteln geistiger Bildung am meisten exclusiv. Ganze Gebietederselben fordern eine geistige Anspannung und eine Concentrationder Beschäftigung, die selbst die rein receptive Aneignung immerauf eine kleine Minderzahl beschränken werden. Dieser Umstandwirkt nicht bloss dadurch nachtheilig, dass er von gewissen Seitendes geistigen Interesses Viele ganz ausschliesst; schlimmer ist esvielleicht, dass durch solche Anspannung der Leistungen leicht derberufsmässige Betrieb der Wissenschaft zu einer mehr handwerks-artigen als freien geistigen Thätigkeit wird. Gerade die Gegen-stände des allgemeinen geistigen Interesses, Religion, Kunst undWissenschaft, ertragen aber einen handwerksmässigen Betrieb nicht,ohne ihren eigentlichen Werth einzubüssen. Die Religion wird aufdiese Weise zu äusserem Formelkram, Kunst und Wissenschaftwandeln sich, die erstere offenkundig, die letztere heimlich, in wirk-liches Handwerk um. In dieser Gestalt können sie beide für dastägliche Leben, das wissenschaftliche Handwerk ausserdem nochdurch die Hülfe die es der eigentlichen Wissenschaft gewährt für diePflege der geistigen Interessen nützlich sein, an diesen Interessenselbst aber haben' sie keinen Antheil mehr. Für die Kunst ist dasallenvärts anerkannt; nur die Schätzung der Wissenschaft leidetnoch unter dem Einfluss einer utilitarischen Lebensauffassung. Dieverderblichsten Wirkungen bringt diese Auffassung dann hervor,wenn sie, auf Erziehung und Unterricht übergreifend, die Aufgabedes letzteren nicht mehr darin sieht, dass er den Zögling vor allemzum Menschen und Bürger heranbilde, sondern darin, dass er ihnvon frühe an so vollständig wie möglich mit den zu seinem künf-tigen Beruf erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausrüstet.Gewiss soll dies ein unerlässlicher Nebenerfolg, nimmermehr aber
soll es der Hauptzweck der geistigen Bildung sein. Dieser bestehtWandt, Ethik. 2 . Aufl. 39