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Die einzelne Persönlichkeit.
Die erste und allgemeinste dieser Stufen ist die des religiösenInteresses. In der Form der Religion treten überall zuerst anden Menschen die Vorstellungen und die Fragen heran, die überden beschränkten Gesichtskreis seines täglichen Lebens hinausreichen.Sie bleibt fortan die Form, in der sich auch derjenige dem allehöheren Interessen der geistigen Cultur versagt bleiben eins weissmit seinen Mitmenschen. Die Religion beseitigt darum, wo sienicht selbst verweltlicht und fremdartigen Zwecken dienstbar ge-worden ist, geflissentlich die Grenzen zwischen arm und reich, vor-nehm und gering, wissend und unwissend. Die Wahrheit über dieschliesslich auch alle Wissenschaft nicht empor dringen kann: dassder Einzelne nicht für sich selbst lebt, sondern dass ermit seinem Einzeldasein in einer allgemeinen geistigenGemeinschaft aufgeht, mit den endlichen Zwecken die erverfolgt unendlichen Zwecken dient, deren letzte Erfül-lung seinem Auge verborgen bleibt, — diese Wahrheit predigtdie Religion jedem Gemüth. Sie bringt sie zumeist in verhülltensymbolischen Formen zum Ausdruck, die aber darum doch ihresEindrucks nicht minder sicher sind, als wenn ihre Sprache die dervollbewussten Erkenntniss wäre. Wenn daher die Religion je ihreMission als Erziehungsmittel zur Sittlichkeit vollendet hätte, alsgeistiges Bindemittel der Menschheit und als allgemeinste Ver-künderin jener grössten sittlichen Wahrheit, ohne die kein Lebenlebenswerth ist, könnte sie niemals entbehrt werden.
Als nächste Stufe geistigen Interesses tritt zu der Religion dieKunst. Auch sie ist in ihren einfacheren Formen noch eines weitsich erstreckenden, alle Berufsclassen umfassenden Einflusses fähig,obgleich hier schon Bedingungen specifischer Vorbildung, die nichtjeder Berufsform in gleicher Weise zu Gebote stehen, einen grösserenEinfluss gewinnen. Wenn es daher auch als eine öffentliche Auf-gabe angesehen werden muss, der unsere Zeit leider noch weniggerecht wird, dass die Kunst so viel als möglich zum Gemeingutgemacht werde, so bringt es doch die ungeheure Gradabstufung deskünstlerischen Schaffens, die auch dem Verständniss und Genuss dieverschiedensten Bedingungen stellt, mit sich, dass nicht jedes Kunst-werk für Jeden da ist. Als allgemeingültige Formen werden hiervor allem diejenigen im Vordergründe stehen, die an die gemein-samen religiösen Anschauungen sowie an den gemeinsamen Schatznationaler Erinnerungen anknüpfen. Die religiösen und die derVolksgeschichte entnommenen Darstellungen der Kunst besitzen