Der Beruf.
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einer mittleren oder selbst niedereren Lebenslage der täglichen Pflichtebenfalls mit mechanischer Pünktlichkeit nachlebt, die Träger jenerBerufs ehre, von deren beglückender Wirkung der auf den Höhendes Lebens stehende Cavalier oder Künstler keine Ahnung besitzt.So übt die sittliche Weltordnung ihre Gerechtigkeit. Da wo dieobjectiven sittlichen Werthe, die sie den Einzelnen hervorbringenlässt, nur geringe sind, lässt sie die subjectiven Werthe und die mitihnen verbundene sittliche Zufriedenheit um so grösser werden. Wiekurzsichtig beurtheilt hier die grosse Menge, die nur auf den äusserenErfolg sieht, Glück und Unglück des Daseins! Der grosse Künstlerbezahlt die unvergänglichen Schöpfungen, die er in glücklichen Stundenseinem Genius abringt, vielleicht mit dem eigenen Seelenfrieden, undder Mann der strengen aber einförmigen Berufsarbeit empfindet imGenuss des Kunstwerks das Glück wirklich, das jener nur für Anderenicht für sich selbst zu schaffen vermochte.
Es ist eine der schlimmsten sittlichen Seiten unseres heutigenGesellschaftszustandes, die mit andern Schäden desselben zusammen-hängt, dass er das Handwerk, dieses Bollwerk der Berufsehre, zuvernichten oder — wo er es bestehen lässt — durch die Lockerung'der Bande zwischen den Berufsgenossen, namentlich zwischen demselbständigen Handwerker und seinem Gehülfen, und durch dieOrganisation aller Arbeit nach dem Muster der Fabrikarbeit sittlichzu verderben droht. Ob aus diesen in der gegenwärtigen Formsittlich unhaltbaren Verhältnissen das Handwerk von ehedem jemalswieder entstehen könne, ist zweifelhaft. Es mag sein, dass auchhier ein Beamtenthum, das mit dem wachsenden Umfang der Staats-thätigkeit in immer neue Gebiete einrtickt, mit der Zeit bestimmtist die leer gewordenen Stellen einzunehmen, um jene private Berufs-ehre des ehemaligen Handwerkers durch das Schwergewicht desöffentlichen Pflichtgefühls zu verstärken.
Ein so gewaltiger Erzieher zur Sittlichkeit der Beruf ist, eineebenso schlimme Quelle des Unsittlichen ist die Berufslosigkeit-,um so schlimmer, weil sie die weitaus häufigste ist. Es ist aberauch in sittlicher Beziehung beachtenswerth, dass sie an jene beidenLebenslagen geknüpft zu sein pflegt, die schon mit Rücksicht aufdie Besitzverhältnisse die gefährlichsten sind, an die des Minimumsund des Maximums der Existenz. Den Dürftigen itreibt die Ver-zweiflung oder die mit dem Mangel verbundene Verwilderung, denReichen der Ueberfluss und die mit den Mitteln zu ihrer Befriedigung'