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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Beruf.

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ist: den grössten sittlichen Woliltliätern der Menschheit Avar ihrBeruf keine Quelle des Brodenverbs; und schon mancher materielleWohltliäter seiner nothleidenden Mitmenschen hat in der mildthä-tigen VerAvendung seines Besitzes seinen Beruf gesehen. Immerhinaber ist es für das Mittelmass sittlicher Befähigung eine der gün-stigsten Einrichtungen der Gesellschaftsordnung, dass dieselbe dieWahl des Berufs nicht ganz der individuellen Willkür freigegeben,sondern sie, abgesehen A r on dem Einfluss des Beispiels und derSitte, durch den ZAvang des ErAverbs geregelt hat.

Die Sittlichkeit des Berufs ist Avie die des Besitzes an dieZwecke gebunden die er erfüllt. Jeder Beruf ist sittlich welchersittlichen Zwecken dient, mag dies nun direct geschehen, durch dieunmittelbare Betheiligung an den sittlichen Interessen der Mensch-heit, des GesellschaftsAmrbandes, des Staates, dem der Einzelne an-gehört, oder indirect, indem die Zwecke die der Beruf erfülltmaterielle oder geistige Unterlagen schaffen helfen, die zur sittlichenCultur unerlässlich sind. In diesem Sinne ist jeder in irgend einerWeise nützliche Beruf, selbst der des um die Noth des Lebensringenden Arbeiters, sittlich: er ist eine Theilkraft in dem unge-heuren TriebAverk sittlicher Kräfte, weiche die sittliche Ordnungzusammensetzen. Auch ist es selbstverständlich, dass man den Be-griff der nützlichen Arbeit hier nicht allzu enge fassen darf: nichtbloss alles was dem intellectuellen Interesse dient gehört hierher alseines der werthvollsten Bildungsmittel sittlicher Fähigkeiten, sonderninsbesondere auch die das Gemüth erhebende und läuternde Kunstoder selbst das durch zerstreuende Beschäftigung und Erholung zustrengerer Arbeit stählende Spiel können Gegenstände eines Berufswerden, der in dem Ganzen menschlicher Leistungen eine AverthvolleStellung einuiimnt. Dieser praktische Gesichtspunkt ist es, den manwohl zuweilen im Auge hatte, wenn das Sittliche selbst dem Nütz-lichen gleichgesetzt Avurde. Nach dem früher hierüber gesagtenbedarf es wohl kaum noch der Bemerkung, dass man dabei dasMittel mit dem ZAveck verwechselt. Ein Beruf kann als mehroder minder untergeordnetes Mittel sittlichen ZAvecken dienen,ohne dass die Zwecke die er selbst verfolgt an sich sittliche sind*).

Die sittliche Werthschätzung des Berufs ist hiernach vonzwei Momenten abhängig: erstlich von dem Avas der Beruf ob-jectiv, für die Zwecke der Allgemeinheit leistet; und zweitens von

: ) Ygl. hierzu die Kritik des Utilitarismus, Abschn. II, Cap. IV, S. 415 ff.