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Die sittlichen Nonnen.
gebot, dass wir unsern Nebenmenschen mit Achtung begegnen sollen,verliert seine Gültigkeit dem gegenüber, der durch Gesinnung undHandlung jeden Anspruch auf Achtung verscherzt hat. Die alteStreitfrage, ob die Nothlüge gestattet sei, wird unter dem zwingen-den Eindruck jener Lebenslagen, in denen wir uns vor die Wahlgestellt sehen, ob wir das wichtigere Sittengebot dem geringerenoder dieses jenem opfern wollen, unzähligemal durch die Praxisdes Lebens bejahend entschieden — eine Thatsache, die es freilichnoch nicht rechtfertigt, auch schon der blossen Bequemlichkeit wegendie Wahrheit hintanzusetzen.
Es kann nicht zweifelhaft sein, dass solche Ausnahmen um soseltener werden, einen je allgemeineren Charakter die Normen ge-winnen. Dennoch behält der Satz, dass die Normen Regelnmit Ausnahmen sind, schliesslich innerhalb gewisser Grenzenselbst für die Grundnormen seine Gültigkeit, sobald man sichnicht etwa damit begnügt, diese durch eine inhaltsleere Formel zuersetzen, statt, wie es die Aufgabe ist, in ihnen die sämmt-lichen Richtungen des sittlichen Lebens zum Ausdruckzu bringen. Es stellt sich dann aber gerade bei den Grundnormenklar heraus, was wohl gelegentlich auch schon bei den speciellerenSittengeboten hervortritt, dass die einzige sittlich berechtigte Ursachesolcher Ausnahmen der Conflict verschiedener Normen miteinander ist, ein Conflict, der in allen Fällen zu Gunsten derdringlicheren und wichtigeren Norm gelöst werden muss und daherdie Verletzung der minder wichtigen und minder dringlichen fordert.
Hier entsteht nun vor allem die Frage, wie denn ein derartigesSystem von Gesetzen mit Ausnahmen überhaupt möglich sei, wenndas System selbst nicht von vornherein als ein widerspruchsvolleserscheinen soll. Mag man auch vielleicht zugeben, dass die unter-geordneten Sittengebote, bei denen concrete Lebensbedingungen inFrage kommen, unter dem Wechsel solcher Bedingungen sich beugenkönnen, an die ethischen Grundnormen sollte diese Veränderlichkeitnimmermehr heranreichen. Ist es doch sonst ein wichtiges Kriteriumfür die Zuverlässigkeit allgemeiner Grundsätze, dass sie zusammenein widerspruchsloses Ganze bilden. In diesem Sinne verlangen wirja in der That in allen theoretischen Disciplinen einen inneren Zu-sammenhang der letzten Voraussetzungen: so namentlich bei derder Ethik nächstverwandten theoretischen Normwissenschaft, derLogik.
Auf diese Bedenken ist jedoch zu entgegnen, dass es sich hier