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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Grundnormen und abgeleitete Normen.

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gleich das praktische Leben über die Wahrheit gewisser Sitten-gebote längst einig ist, doch über die richtige Aufstellung allge-meiner ethischer Normen noch heute ein ungeschlichteter Streitbesteht. In der That, solche Gebote wie die des Mosaischen De-kalogs können in dem hier gemeinten Sinne ebenso wenig Grund-normen genannt werden, wie wir den Satz dass 2.2=4 ist alsein Axiom bezeichnen. Sollen jene Grundnormen nicht einzelneSittengebote sondern principielle Sätze sein, deren jeder eine ganzeClasse von Sittengeboten als besondere Fälle unter sich enthält, soist es aber unvermeidlich, dass auch der Streit Uber die allge-meinen Fragen der Ethik bei der Formulirung der Normen zumVorschein kommt. Insbesondere müssen die über die sittlichenZwecke und Motive bestehenden Meinungsverschiedenheiten hier ihreWirkung äussern, da es gerade bei den allgemeinsten sittlichenNormen nicht darauf ankommt, dass sie uns sagen, wie die Hand-lungen beschaffen sein müssen, sondern dass sie uns angeben, welcheBeweggründe uns bei unseren Handlungen leiten sollen. Einwesentliches Moment bei dem Uehergang von den concreten Formu-lirungen der Sittengebote zu den allgemeineren der Grundnormenliegt deshalb darin, dass eine solche Rücksicht auf Motive undZwecke bei jenen gänzlich zu fehlen pflegt, während sie bei diesenunerlässlich ist. Für das erstere sind wiederum die MosaischenGebote ein classisches Beispiel. Es ist einleuchtend, dass, so langeman, wie es in ihnen geschieht, gewissennassen bei der Aussenseiteder Handlungen stehen bleibt, principielle Sätze überhaupt nichtgewonnen werden können. In dieser Beziehung spielt demnach inder Aufsuchung ethischer Normen der Rückgang von den Hand-lungen auf ihre Motive und Zwecke eine analoge Rolle, wie etwabei der Entdeckung der mathematischen Axiome der Rückgang vonden tliatsächlich ausgeführten arithmetischen Operationen und geo-metrischen Constructionen auf die Elemente 'des Zahl- und desRaumbegriffes.

b. Gebietende und verbietende Normen

Zu diesen allgemeinen Bedingungen für die Aufstellung prin-cipieller Sätze kommt bei den ethischen Normen noch die eigen-thümliclie hinzu, dass die einzelnen Sittengebote, aus denen allmäh-lich die Normen abstrahirt werden, zum allergrössten Theil ursprüng-lich nicht in positiven sondern nur in negativen Formulirungen