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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Verkettung der unsittlichen Motive.

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c. Die Verkettung der unsittlichen Motive.

Fast alle Motive des Willens tragen die Tendenz der Verviel-fältigung in sich. Keinen aber kommt diese Eigenschaft mehr zuals den Motiven des Unsittlichen. Nicht bloss dass die Schuldfortzeugend immer neue Schuld gebiert, indem die Gewohnheitdas Gewissen abstumpft, der verbotene Genuss die Genusssuchtsteigert und sie neue, nicht selten widernatürliche Formen annehmenlässt, schon bevor es zur Handlung führt oder während es die-selbe erzeugt, pflegt sich das zunächst bestimmende Motiv mit weiteren,im gleichen Sinne wirksamen und nicht selten die immoralischeNatur der That steigernden Motiven zu verbinden. Um so tragischerist dieser Vorgang, als er zumeist durch Gewissensregungen unter-stützt wird. Denn das Gewissen ist ein Warner von zweifelhaftemErfolg. Es kann im entscheidenden Augenblick die That verhindern,und dann pflegt es eine meist noch lange nachwirkende, oft für dasganze künftige Leben entscheidende Lösung des Conflicts der Motiveherbeizuführen. Aber ein vielleicht ebenso häufiger Erfolg ist es, dassdie Motive, denen das Gewissen widerstrebt, nun um so energischerdurch Nebenmotive unterstützt werden, die zuerst völlig abseits lagen.So kann es kommen, dass das ursprüngliche Motiv einer verbrecheri-schen That gar nicht das endgültig entscheidende ist, und dass derThäter selbst über das sich täuscht, was ihn zur Handlung getriebenhat. Durch diese Verstärkung der Motive wird nicht bloss die unsitt-liche Tendenz unwiderstehlicher, sondern es wird auch die Schwere derThat fast immer vergrössert. Ein aus Eigennutz begangenes Attentatverwandelt sich in einen mit hasserfüllter Grausamkeit begangenenMord. Namentlich Hass und Zorn sind auf diese Weise wohl ver-hältnissmässig selten, seltener als es nach der Aussage und eigenenMeinung der Verbrecher erscheinen könnte, die ersten Motive derVerbrechen; unter den nächsten werden sie aber, namentlich bei denVerbrechen gegen die Person, selten fehlen. Selbst dem Raubmörder,der ein ihm unbekanntes Opfer auf der Strasse anfällt, stehen jenezum energischen Angriff kaum entbehrlichen Affecte immer zur Seite.Die Thatsache, dass der Angefallene besitzt was ihm fehlt, diejenem aufgedrungene Nothwehr rufen ein Gemisch von Hass undZorn hervor, das oft genug in der/Ausführung der That deutlichseine Spuren zurücklässt.

Diese Complication der Motive, für die praktische PsychologieWundt, Ethik. 2. Aufl. 34