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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die individuellen Formen des Unsittlichen.

als in der ganzen Art der Lebensführung zu Tage tritt, soes sich von selbst der Subsumtion unter eine bestimmte SittenordB%n|wwund wo eine solche sich bildet, wie dies auf primitiven Cultur stufen,"auf denen Sitte und Recht noch nicht zureichend geschieden sind,vorkommt, da ist dies von den schwersten Nachtheilen für dieindividuelle Freiheit und damit für die sittliche Entwicklung be-gleitet.

Trotz solcher Verschiedenheit der Formen kommt aber derUnterschied des Rechtswidrigen und Unmoralischen für die Unter-suchung der unsittlichen Motive kaum in Betracht. Der Verbrecherund der Unmoralische unterscheiden sich hier zumeist nur durch dieäusseren Gelegenheitsursachen, die auf sie eingewirkt haben. Esgibt Lebenslagen, in denen es schwer wird ein Verbrecher zu sein,und es gibt leider andere, in denen es beinahe schwer wird keiner zuwerden. Die Immoralität, die vorsichtig die Grenze des rechtlichErlaubten einzuhalten weiss, ist vorzugsweise in der sogenanntenguten Gesellschaft, die zuweilen auch die schlechte heissen könnte,zu Hause; das Verbrechen wohnt am häufigsten mit der Noth unddem Elend zusammen. . Die wichtigste Entstehungsbedingung desUnsittlichen ist daher die gesellschaftliche Lage. Sie haupt-sächlich bringt die zwei Classen von Motiven hervor oder begünstigtsie wenigstens, die bald unabhängig, bald vereint mit einander dieHauptquellen des moralischen Uebels sind. Das eine derselben istdie Genusssucht, das andere der Neid. Sie sind die entartetenFormen des Selbst- und Mitgefühls. In der Genusssucht hat sichdas Selbstgefühl in eine Selbstsucht umgewandelt, die den eigenenGenuss zu ihrem letzten und einzigen Zweck macht. So lange siegewisse Schranken einzuhalten vermag, kann sie sich mit dem Scheinder Moralität umgeben. Aber in dem Moment wo sie zur herrschen-den Leidenschaft wird verliert sie von selbst diese Fähigkeit. Diekluge Berechnung, die zuvor mässigend auf das ungestüme Begehrenwirken mochte, wird nun selber von der Leidenschaft in ihre Dienstegenommen. Die rücksichtslose Ausbeutung Anderer zu eigenenZwecken ist jetzt der einzige Beweggrund des Handelns.

Während die Genusssucht in der Regel durch Lebenslagen er-zeugt wird, die der Befriedigung zureichende oder allzu reichlicheMittel zur Verfügung stellen, erwächst der Neid auf dem Boden desMangels. Dass Andere sich an Genüssen erfreuen, die ihm versagtsind, erweckt in dem Notkleidenden einen Groll gegen das Schicksal,der sich nur zu leicht in Hass gegen die Geniessenden umwandelt,