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Die sittlichen Zwecke.
5. Die unsittlichen Zwecke.
Das Zweckwidrige im sittlichen Leben bat zwei Quellen: diesittliche Schwäche und die sittliche Bosheit. Die ersteberuht auf Willensschwäche, die zweite auf verkehrterWillensrichtung. Jene führt zu dem Zweckwidrigen in negativerForm, der Unterlassung des Guten, diese zum Zweckwidrigenin positiver Form, der Erzeugung des Schlechten. Wer einenNebenmenschen, den er retten könnte, umkommen lässt, weil erGefahr oder Ungemach für sich selbst fürchtet, handelt sittlichschwach; wer einem Andern nachstellt, weil dieser dem eigenen Vor-thei] im Wege steht, handelt schlecht. Beide Formen des Zweck-widrigen können natürlich in den verschiedensten GradabstufungenVorkommen. Die häufigste und entschuldbarste Form sittlicherSchwäche ist es, wenn ein Mensch nicht seine volle geistige Kraftan die Ausbildung seiner eigenen sittlichen Fähigkeiten setzt;die schwerste, wenn er den directen socialen und humanen Forde-rungen des Gesammtwillens aus Indolenz den Gehorsam verweigert.Hier berührt sich die Schwäche eng mit der Schlechtigkeit, undsie führt oft genug durch die fortwirkenden Folgen des Thuns insie über.
Beiden Formen des sittlich Zweckwidrigen entsprechen ver-schiedene Arten der Beurtheilung: die Nichtbilligung und dieMissbilligung. Bei beiden ist der Widerstreit der Handlungengegen die vier imperativen Motive des Gewissens für das Urtheilmassgebend. Unter diesen nehmen die Motive des Zwangs wiederden niedersten Rang ein. Gleichwohl sind sie diejenigen, die imgewöhnlichen Leben fast ausschliesslich unser Urtheil leiten, und diehierzu auch um so mehr ausreichen, in je höherem Masse Sitte undRecht den Forderungen genügen, welche die beiden imperativenMotive der Freiheit für die äusseren Bedingungen des Zusammen-lebens mit sich führen. Auch hier überschreitet der Effect überallsein nächstes Ziel. Für die ungeheure Mehrzahl der Menschen reichtes aus, wenn sie Recht und Sitte zum Richtmass ihres Handelnsnehmen; und im einzelnen Fall, wo die Erfordernisse des praktischenLebens für die Erwägung der tieferen Gründe des Sittlichen keinenRaum lassen, bewahren jene überall ihren Werth als unmittelbarbereitliegende Vorschriften, in denen sich die gesammte hinter unsliegende sittliche Entwicklung zu sicher wirkenden Triebkräften ver-