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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die humanen Zwecke.

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Freilich ist der Zustand der Menschheit niemals noch ein solchergewesen, dass diese Ausgleichung und Ergänzung widerstandslos ihreWirkung entfalten können, vielmehr zeigt es sich hier, dass jenesGesetz der sittlichen Entwicklung, wonach deren letzte Zwecke unauf-hörlich erstrebt, aber niemals völlig erreicht werden, auf die Trieb-kräfte des sittlichen Lebens selber übergreift. Auch jene harmonischeErgänzung der letzteren bleibt ein Ideal, dem der Einzelne durchinnere und äussere sittliche Arbeit, die Gemeinschaft durch die Her-stellung eines socialen Zustandes, der jedem Einzelnen die sittlicheMitarbeit möglich macht, nur allmählich sich nähern kann.

So erweist sich das ethische Ideal als der letzte, die fort-schreitende sittliche Vervollkommnung der Menschheit als der nächsteZweck der humanen Sittlichkeit. Die engeren Lebensgebiete, dieindividuelle und sociale Vervollkommnung, gehen in diesem letztenund höchsten auf. Die Vervollkommnung bleibt so lange ein blosserScheinbegriff, als sie im Sinne des Eudämonismus und Utilitarismusin die Vermehrung der durch sinnliche und intellectuelle Genüsse zuerreichenden Glückseligkeit verlegt wird. Denn hier bleibt immerdie Glückseligkeit selbst der eigentliche und letzte Zweck. Eineselbständige Bedeutung gewinnt die Idee der Vervollkommnung erstdann, wenn der letzte sittliche Zweck als ein idealer, nur in An-näherungen zu erreichender anerkannt wird. Zugleich verliert aberdann die Glückseligkeit ihre ethische Bedeutung: sie ist nicht mehrSelbstzweck, sondern Nebeneffect und zugleich Hülfsmittel des sitt-lichen Strebens. Für das ethische Ideal bleiben, da es im Unend-lichen liegt, nur zwei indirecte Bestimmungen möglich. Die erste,positive besteht darin, dass die Entwicklung aller menschlichenGeisteskräfte, ihrer individuellen, socialen und humanen Bethätigungenüber jedes erreichte Ziel hinaus ins Unbegrenzte fortgesetzt werdensoll. Die zweite, negative liegt darin, dass die Hemmungen, welchediese Entwicklung erfährt, in fortschreitendem Masse vermindertwerden. Diese Hemmungen entspringen aber aus Willenshandlungen,die, vom Standpunkte des sittlichen Zweckes betrachtet, allgemeinals die sittlich zweckwidrigen bezeichnet werden können.Diese, als ein wichtiger Factor in dem Ganzen der sittlichen Ent-wicklung, bedürfen daher noch einer besonderen Untersuchung.