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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die sittlichen Zwecke.

der Sphäre jener Thätigkeiten, denen die humanen sittlichen Zweckeangehören, wie in Kunst, Wissenschaft und allgemeiner Cultur, nichtbloss sittlich indifferente, sondern selbst unsittliche Zwecke. Zweitensist auch dann, wenn sittliche Ziele erstrebt werden, zwischender Werthschätzung des Erfolgs der Handlung und der Werth-schätzung der Handlung selbst zu unterscheiden. Der erste istvon inneren und äusseren Bedingungen abhängig, die zum Theil mitdem sittlichen Charakter der handelnden Persönlichkeit gar nichtszu thun haben. Die sittliche Handlung als solche aber ist nur von dersittlichen Gesinnung abhängig, und hier kann daher im bescheidenenUmkreis täglicher Pflichterfüllung ein höherer sittlicher Werth zuTage treten, als in den glänzendsten äusseren Erfolgen, deren Er-ringung durch unreine Motive getrübt ist. Sicherlich liegt die grössteUngerechtigkeit darin, dass so leicht die Schätzung des Erfolgsauf die Schätzung des Handelnden selbst übertragen wird. Aberdie ausgleichende Gerechtigkeit, nach der darum hier unser sitt-liches Gefühl verlangt, liegt vollauf in der Befriedigung eines dertreuen Pflichterfüllung in dem ihm zugewiesenen Lebenskreise hin-gegebenen Strebens. Dieses Glück eines guten Gewissens, das alleäusseren Glücksgüter überstrahlt, bringt es als seine nothwendigeWirkung mit sich, dass der wahrhaft sittliche Mensch in der Lebens-lage, in die ihn das Schicksal gestellt hat, sich derart befriedigtfühlt, dass er mit keinem andern Menschen tauschen möchte. DieThatsache, dass dieses alle äusseren Unterschiede der Glücksgüterund Berufsstellungen ausgleichende Selbstgefühl auch in den beschei-densten Lebenslagen Vorkommen kann, ist vielleicht die überzeugendsteBestätigung des Satzes, dass in der unendlichen Summe der Theil-kräfte, die sich zur Erfüllung der humanen Lebensaufgaben ver-einigen, der sittliche Werth jeder einzelnen nicht nach den von zu-fälligen Bedingungen abhängigen Erfolgen, sondern nach jener sittlichenEnergie zu bemessen ist, die in der Reinheit der Gesinnung und inder Widerstände überwindenden Macht der sittlichen Motive zu Tagetritt. Däs Ganze der sittlichen Welt bedarf der Vielheit der Be-gabungen, der Mannigfaltigkeit der Lebensstellungen. An denhöheren humanen Lebensaufgaben können nur Wenige, an den höch-sten vielleicht in vielen Jahrhunderten nur da und dort ein Einzelnerdirect arbeiten. Aber die über ungezählte Abstufungen sich er-streckende indirecte Mitarbeit an denselben ist nicht minder unerläss-lich, und so bildet denn die Möglichkeit jener inneren Werthaus-gleichung nur die nothwendige Kehrseite dieser äusseren Ergänzung.