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Die sittlichen Zwecke.
Gesetze der allgemeinen Mechanik zu finden suchte. Ein Moses,Sokrates oder Christus, sie haben für alle Zeiten gelebt und ge-handelt; die Spuren ihrer sittlichen Thaten werden nicht untergeben,so lange die Menschheit eine Geschichte hat. Zunächst freilich be-thätigte sich auch ihr Wirken in engeren Kreisen, und viele ihrerHandlungen richteten sich mit ihren directen Zwecken an die un-mittelbare Gegenwart. Aber in dem Grössten was sie geschaffen,durchbricht schon der directe Zweck diese Schranken, und mittelbargewinnen selbst die durch die nächsten Bedingungen bestimmtenHandlungen als integrirende Bestandtheile eines idealen Charakterseine weit über ihr unmittelbares Ziel hinausreichende Bedeutung.
Wenn es nur einer verschwindenden Zahl bevorzugter Sterb-licher vergönnt ist, unmittelbar nach allgemein humanen Zweckenzu streben und sie zu erreichen, so ist dies nun aber in der Formindirecter Zwecksetzungen verschiedener Ordnung für Jeden, selbstden Niedrigsten, möglich. Das Princip der Heterogonie der Zweckeund das Gesetz der unbegrenzten Neuschöpfung geistiger Erzeug-nisse durchdringen auch hier alles Geschehen. Die Mission, die einVolk in der Weltgeschichte erfüllt, ist getragen von den unzähligenTheilkräften, aus denen es in den einzelnen Gebieten seines Ge-sammtlebens und seiner staatlichen Organisation sich zusammensetzt;sie ist also schliesslich gebunden an individuelle Willensantriebe.Die Kleinsten wie die Grössten, sie können hier das Wort des Erd-geistes auf sich anwenden:
„So schaff’ ich am sausenden Wehstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.“
Mögen die directen Zwecke, die der Einzelne verfolgt, noch so be-schränkt sein, sie überschreiten immer ihr nächstes Ziel und verlierensich schliesslich in dem unermesslichen Strom menschlicher Geistes-entwicklung.
Welches sind nun aber jene humanen Zwecke, in die alle be-schränkteren sittlichen Bestrebungen einmünden? Bestehen sie etwain einer allgemeinen, alle räumlichen und zeitlichen Existenzbedin-gungen des Menschen umfassenden Glückseligkeit? Oder in einemallgemeinen Fortschritt, der auch diese Glückseligkeit wieder überjedes gegebene Mass hinaus zu vergrössern sucht? Es ist klar, dassdamit immer nur jene individuellen Glücksempfindungen, von denenwir erkannt haben, dass sie mindestens letzte Zwecke nicht seinkönnen, zu sittlichen Gütern erhoben würden. Solch letzte Zwecke