Die socialen Zwecke.
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So lange die Auffassung des endlichen Daseins eine individua-listische und pessimistische bleibt, ist die indische Lösung des Welt-räthsels vielleicht die näher liegende: das ewige Vergessen, die Ver-nichtung ist die sicherste Erlösung von dem Schmerz des Daseins.Eben darum aber, weil im Gebiet individueller Willensantriebe jeneErgänzung der endlichen Beschränktheit im wirklichen Lehen nie-mals eintreten kann, ist dieselbe hier nicht in der Form subjec-tiver Glücksgefühle vorhanden, die als solche niemals einen allge-meinen Werth gewinnen können, sondern in Gestalt objectivergeistiger Werthe, die aus dem gemeinsamen Geistesleben derMenschheit hervorgehen, um dann wieder auf das Einzelleben ver-edelnd zurückzuwirken, nicht damit sie sich hier in eine objectivwerthlose Summe von Einzelglück verlieren, sondern damit aus derschöpferischen Kraft individuellen Geisteslebens neue objective Werthevon noch reicherem Inhalt entstehen. Wir brauchen uns nur aufden Boden historischer Beurtheilung zu begeben, um sofort zubemerken, dass diese Schätzung der socialen sittlichen Zwecke dieeinzig zulässige, weil schliesslich die allein wirkliche ist. Wonachbemisst sich unser sittliches Urtheil über Menschen und Völker, dieeiner längst entschwundenen Vergangenheit angehören, bei denenwir also am ehesten erwarten dürfen, dass die vergänglichen undscheinbaren den bleibenden und wirklichen Zwecken den Platz ge-räumt haben? Nicht nach dem Glück, das sie selbst genossen, auchnicht nach dem Glück, das sie ihren Zeitgenossen verschafft, sondernallein nach dem, was sie für die gesammte Entwicklung der Mensch-heit in alle Zukunft hinaus geleistet haben.
4. Die humanen Zwecke.
Dass der Einzelne, wenn er zu den höchsten Formen sittlichenHandelns sich erhebt, nicht bloss für seine Mitbürger und Mitleben-den und noch weniger für sich seihst handelt, dies ist eine Ueber-zeugung, die sich bei der Betrachtung der erhabensten Beispielesittlichen Wirkens unaufhaltsam uns aufdrängt. Auch hier wird abersicherlich die Regel gelten, dass wir die Gegenstände, die einen Be-griff erläutern, so prägnant wie nur immer möglich zu wählen haben.Aus den Erscheinungen mittelmässiger Rechtschaffenheit das Wesendes sittlichen Charakters bestimmen wollen, ist ungefähr dasselbe,als wenn man aus den verwickeltsten meteorologischen Processen die