Die Imperative der Freiheit.
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zusammenhängt, keine sonderlichen Fortschritte, aber es wird auchkeine Rückschritte machen. Sind dagegen die Massen so entartet,dass sie ihren guten Ruf nicht achten, steht selbst den Einflussreichender eigene Vortheil höher als das Ansehen, das sie durch ein cor-rectes sittliches Verhalten gemessen, dann ist die gewöhnliche Recht-schaffenheit nicht mehr ausreichend, um eine solche Gemeinschaftder moralischen Versumpfung zu entreissen, sondern es bedarf dazueiner Anzahl edler Charaktere, die mit zielbewusstem Streben Handan die Verbesserung der Zustände legen. In jenen entscheidendenFällen endlich, wo Uber den Umkreis eines einzelnen Volkes hinausdurch gewaltige Umgestaltungen in den allgemeinen Lebensbedin-gungen der Menschheit eine grosse sittliche Krisis von weltgeschicht-licher Bedeutung die Umgestaltung der sittlichen Lebensanschauungenfordert, da kann nur die Wirksamkeit eines idealen Charakters,eines ethischen Genius, der befähigt ist, bisher schlummernde Triebezum Leben zu erwecken, den geschichtlichen Process vollenden.
Es liegt in den Gesetzen der geistigen Entwicklung, dass solcheZeiten solche Menschen hervorbringen. Denn das Grosse kann nichtauf dem öden Boden der Alltäglichkeit entstehen, sondern es erfor-dert Bedingungen, durch die ein im allgemeinen Bewusstsein sichregendes Bedürfniss in einer einzelnen Persönlichkeit zur treibendenMacht wird, die wieder fähig ist auf das Ganze mit gewaltigen Impulsenzurückzuwirken. Die grosse Menge, die nur die Wirkungen, nichtdie still schaffenden Kräfte des geistigen Werdens vor Augen hat,staunt derartige Erscheinungen als Wunder an. Dieses Wunder istaber kein anderes, als wie es in jeder geistigen Entwicklung zuspüren ist. Ueberall wird der Einzelne getragen von dem Gesammt-geiste, an dem er mit all seinem Vorstellen, Fühlen und Wollentheilnimmt. In den führenden Geistern aber — und jene schöpfe-rischen Genies der Sittlichkeit sind führende Geister höchster Ord-nung — verdichtet sich der gesammte Process der zurückgelegtenEntwicklung, um Wirkungen zu erzeugen, die nun dem Gesammtgeistneue Bahnen anweisen.
e. Die religiöse Form der sittlichen Imperative.
Die vier imperativen Motive des äusseren und des innerenZwangs, der dauernden Befriedigung und des sittlichen Lebensidealssind wahrscheinlich wirksam gewesen, seit es überhaupt ein sittlichesLeben gibt. Aber sie haben ihre Wirkungen kaum jemals oder